Ein Platz in der Sonne

Tolles Wetter. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und es ist warm draußen.
Wir sitzen auf der Terrasse, gerade ist es etwas ruhig, und genießen das Wetter nach diesen trüben Tagen.
Plötzlich geht der Melder und alle springen auf, Notarzt, Rettungsassistenten und der Rettungssanitäter.
Im Auto erhalten wir das Einsatzstichwort: VU, Motorrad vs. LKW
Mein Kollege drückt auf das Gas, der Anfahrtsweg ist etwas länger doch wir kommen in der Hilfsfrist an.
Zeitgleich springen alle 4 aus dem Auto heraus und jeder weiß, was er mitnehmen soll.
Während wir zu dem Verunfallten gehen, wird klar, dass hier vor uns ein Verkehrsunfall höchster Geschwindigkeit stattgefunden hat und wir vielleicht froh sein sollen, unseren Patienten vollständig vorzufinden.
Ich knie mich am Kopf hin, halte ihn fest und mein Kollege legt den StiffNeck an.
Der Notarzt macht den kurzen Check, während der andere RA schon mal einen Zugang legt.
„Also, Atemwege noch frei, Thorax einseitig belüftet, erhöhte Atemfrequenz, Puls flach, fliegend, sehr schwach tastbar, Pupillen isokor, reagieren kaum auf Licht, also B-Problem, C-Problem und der Kopf scheint auch nicht mehr lange aushalten zu können.“
In diesen Augenblicken wissen wir, was zu tun ist und jeder gibt sein Bestes. Während ich die Intubation vorbereite, holt mein Kollege die Trage und das Spineboard. Der andere Kollege richtet die Thoraxdrainage schon mal her und zieht die Medikamente für die Narkose auf. Unsere Patient ist mittlerweile tief bewusstlos und bevor ein A-Problem dazu kommt, intubiert der Notarzt und es geht los.

Die Versorgung hat knappe 30 Minuten gedauert, noch sind wir in der sogenanntem „golden hour“ undmein Kollege fährt mit Sonderrechten ins Klinikum.
Während der Fahrt schweifen meine Gedanken kurz ab und ich denke an den den sonnigen Platz an der Rettungswache.
Mir kommt der Gedanke, dass dieser junge Mann vielleicht heute seinen letzten Tag in der Sonne verlebt hat.
Und plötzlich erscheint mir der Himmel verdunkelt, das Licht der Sonne getrübt.

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