Das Übliche

Ich stehe (privat) in einem Bahnhof einer größeren deutschen Stadt. Es ist schon dunkel und ein kühler Wind streicht über den Platz. Meine Jacke und mein Schal schützen mich nur unzureichend vor der Kälte.

Plötzlich sehe ich Blaulichter aufblitzen und bemerke einen Rettungswagen, der sich auf eine Menschengruppe zubewegt, die mir bisher nicht aufgefallen ist.

Zwischen einigen am Boden sitzenden Männern sehe ich zwei Polizisten stehen, die in ihren Notizbüchern blättern und sich etwas aufschreiben. Obwohl sie zu weit von mir entfernt sind, als dass ich ihr Gesichter sie sehen könnte, sehe ich an ihrer Haltung eine leichte Ungeduld und Verzweiflung.

Die Rettungsassistenten steigen aus ihrem Auto aus und ich kann nur einige Töne hören, der Gegenstand der Unterhaltung bleibt mir unbekannt. Es ist auch nicht wichtig, um was es geht. Auch die Rettungskräfte fangen an, ungeduldig mit den Händen zu wedeln und eindrücklich auf die Männer einzusprechen.

Was auch immer sie wollten, es war nicht wirklich erfolgreich. Einige Minuten später sehe ich einen der Rettungsassistenten ein Protokoll ausfüllen, während der andere einige Worte mit einem der Polizeibeamten wechselt.

Dann steigen beide wieder in ihren Wagen ein und fahren langsam vom Platz. Ich stehe noch immer an der gleichen Stelle und sie müssen an mir vorbei fahren. Durch die Scheiben schaut mich der Fahrer kurz an und ich lächle ihm zu. Er schaut freundlich zurück und winkt mir zu. Dann sind sie weg.

Die Polizisten versuchen noch, mit den Männern auf dem Boden auf eine Wellenlänge zu kommen doch alles vergebens.

Da augenscheinlich keine Straftat noch eine Verletzung vorliegt, ziehen auch sie wieder ab.

Ich stehe da und beobachte die Männer, die noch auf dem Boden sitzen und fühle die Kälte meine Beine hochkriechen.

Es war wieder das übliche. Einer ging vorbei-sah die Männer. Etwas gefiel ihm nicht, so rief er die Polizei. Warum und wieso kann er nicht erklären „die sind komisch“. Die Polizei kommt und schaut sich die Sache an, der Rettungsdienst kommt und schaut sich die Sache an. Und beide fahren wieder weg, ohne dass ihre Fahrt einen Sinn gemacht hat. Der Anrufer meint, eine gute Tat vollbracht zu haben, doch im Endeffekt hätte es viel mehr bewirkt, wenn er sich zu den Männer gestellt hätte und sich kurz mit ihnen unterhalten hätte. Dann hätte er gewusst, was los ist und dann hätte er gewusst, dass hier weder Rettungsdienst noch Polizei helfen können.

Die Männer sitzen noch auf dem Boden, als ich vom Platz gehe. Nach Hause.

Und sie?

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