Ameisenkräfte

und das ist die neue Auszubildende, macht hier ihr Praktikum.“

Prüfend schaut der Anästhesiepfleger mich an. Über seinem buschigen Bart, den ich unter der Maske nur erahnen kann, blitzen mich zwei freundliche braune Augen an und er erinnerte mich an einen gemütlicher Teddybär.
Wie willst du denn einen 120kg schweren Patienten die Treppe runter tragen?“ poltert er los während er in Gedanken wahrscheinlich schon meinen BMI ausgerechnet hat.

Gerade muss ich an diese Worte denken. Denn ich trage gerade einen Patienten die Treppe hoch, der mir leider nicht sein Gewicht verraten kann, da er sich aus Angst schon länger nicht gewogen hat und diese Angst ist durchaus berechtigt.

Wie war das nochmal mit der Ameise? Die trägt auch ein Vielfaches ihres Gewichtes. Und die Hummel weiß auch nicht, dass die nicht fliegen kann.
Vielleicht weiß ich auch nicht, dass ich   x% meines Gewichtes nicht tragen kann, aber trage es doch.

Ps: warum denken alle, einen Patienten hinunterzutragen sei schwer. Hochtragen ist viel anstrengender.

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Tatü ta ta

In die Kantine, in der wir manchmal essen, kommen auch Patienten, Besucher und andere Leute.
Oft passiert es, dass wir entweder beim oder nach dem essen alarmiert werden. Am Ton und der Einsatzmeldung kann man erkennen, ob es sich um einen dringlichen Einsatz handelt oder eine Fahrt ohne Sonderrechte. Bei einer dringenden Fahrt stehen wir zwar ohne Hast auf, versäumen aber keine Minute, um so schnell wie möglich im Auto zu sein.
So auch heute. Wir hatten gerade die Teller geleert, ich wechselte noch paar Worte mit der Intensivpflegerin neben mir, als der Alarm für einen Notfall kam.
Wir standen auf und bewegten uns mit den Tabletts zur Abräumestation, als vor uns, wie aus dem Boden gewachsen, eine liebe alte Oma stand, die sich mühsam mit ihrem Stock fortbewegte.
Gut für sie, dass wir keine Martinshörner haben 🙂

Grenzenloses Vertrauen

„Schauen Sie mal, hab mich vorhin verletzt, das muss genäht werden, denk ich.“
„Alles klar, dann kommen Sie mal rein ins Auto, ich schaue es mir kurz an okay?“
„Oh, können Sie es dann gleich nähen? “
🙂

Wenn Patienten so großes Vertrauen in uns und unsere Kompetenzen haben. Wir können doch einfach alles!

Ich muss auch da hinzufügen, dass ich in den ganzen Rettungsdienst-Jahren bisher noch keinen Einsatz hatte, in dem mein Beruf belächelt oder verachtet wurde.
Es gab den ein oder anderen, der nicht besser Bescheid wusste (sind ‚alles Sanitäter mit einem Krankenwagen‘) oder den nächsten, der mit dem falschen Fuß aufgestanden war und zickig reagierte, als man eine normale Antwort auf eine normale Frage erwartete.
Andere mussten sich, nicht nur von Patienten sondern auch von Ärzten, als arrogante Besserwisser oder Menschen mit einem Erste-Hilfe-Kurs betiteln lassen.
Ich bin froh, dass meine Patienten bis her fanden, dass ich sie draußen zusammenflicken kann. Oder so ähnlich.
🙂

Klare Worte

„Dein Board hat übrigens dein Kumpel mitgenommen.“
Kaum habe ich diesen Satz ausgesprochen, zischt der Pfleger mir zu:
„Das interessiert ihn gerade gar nicht. Der hat doch ein ganz anderes Problem, z.B. seine Brüche und die Gehirnerschütterung.“

Bevor ich noch antworten kann, hebt der von seinem Sufenta-Ketanest-Dormicum-Cocktail benebelte 12-jähriger seinen Kopf, schaut mit leicht zuckenden Augen auf den Krankenpfleger und sagt:
„sehr wohl interessiert es mich, wo mein Board ist. War teuer.“

Sprachs und legte den schmerzgeplagten Kopf wieder ab.
Damit das mal klar ist.

Höchste Zeit

Ich muss mal meinen Notarzt anrufen. Ich weiß nicht, wo er gerade herumläuft, brauche aber dringend etwas.
Ich tippe die Nummer ein…
Tü-tü-tü…kein Anschluss unter dieser Nummer
Wahrscheinlich habe ich mich verwählt, ich tippe die Zahlen nochmal ein, doch wieder kommt das gleiche.
Etwas verwirrt tippe ich höchst konzentriert die Nummer abermals ein… Und wieder ist die Verbindung nicht möglich.
Etwas genervt drehe ich mich um und suche die Telefonliste.
Plötzlich fällt es mir ein.
Ganz ruhig drehe ich mich zurück, gebe die Zahlen ein und kurze Zeit später spreche ich mit meinem Beifahrer.
Dann hole ich tief Luft und denk dran:
Ich brauche einfach Urlaub.
Es war nämlich die Zahlenkombination für einen Entsperrungscode meines Handys.
🙂

So ist es

„Ach, Sie sind auch wieder da? Sie sehr ich sehr oft hier.“

Kann ich zustimmen. Lustig ist nur, dass die Aussage nicht von Kollegen oder sonstigen Mitarbeiter des Klinikums oder Rettungsdienstes kommt sondern von Patienten oder Angehörigen.

Sprachlos

Ich stehe da, höre seinen Ausführungen zu und versuche, die Informationen im Kopf bisschen zu sortieren.
Da herrscht ein Durcheinander und die Situation ist skurril.
Langsam kommen Worte in meinem Neocortex an und mechanisch mache ich die Aufgaben, die dieser Einsatz erfordert. Ich spreche mit den Beteiligten, gebe Anweisungen, aber innerlich bin ich betäubt, mit den Gedanken wo anders.

Der Patient ist wohlbehalten im Krankenhaus angekommen, wir setzten uns in das Auto und es geht wieder Richtung Wache.
Plötzlich sehe ich meinen Kollegen grinsen. Grinsend schaue ich zurück und wir beide lachen um die Wette.
„Du warst vorhin schon ziemlich müde??“

Mal wieder

„Leiden Sie auch unter zu hohem Blutdruck?“

„Neeiin, also hohen Blutdruck hab iich nicht! Der ist iiiimmeeer normal, so 120 oder 130.“

„Ja, aber Sie nehmen doch das Amlodopin, das ist doch eine Blutdrucktablette?!“

„Ja genau, die eine kleine immer morgens.“

„Dann haben Sie doch Bluthochdruck.“

Bei jedem Patienten das Selbe 🙂

Erkenntnisse (2)

Wo war ich nochmal…

… als Deutschland den 4:0 Auftaktsieg machte?
… Im Rettungswagen.

… als Hummels Deutschland ins Halbfinale schoss?
… einsatzklar in der Rettungswache.

… als Deutschland den historischen Halbfinalsieg klar machte?
… mit Einsatzjacke und Melder auf Arbeit.

… als Deutschland den WM-Titel feierte?
… im Einsatz mit Frakturen, C2, Unfällen.

Das war die Weltmeisterschaft zwanzig-vierzehn.
🙂