Es macht keinen Spaß

Die Kollegin ist krank, ich arbeite heute für sie.

Das Auto fährt sich nicht so gut.

Nach dem Einsatz ist das Auto dreckig, komplette Reinigung steht an.

Der eine Patient ist vom 10. Stock gesprungen.

Alle Hilfesuchenden wohnen mindestens im 1. Stock.

Die Frau stirbt mir weg und ich kann nichts mehr machen.

Essen steht heute nicht auf dem Plan.

Geruchloses Einsätze lassen sich heute nicht finden.

Manchmal macht es einfach keinen Spaß.
Manchmal denke ich: kann ich einen neuen Tag haben? Dieser ist kaputt.

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Professionell

Es ist manchmal schwierig.

Da ist der Mann, der seine Frau schlägt, sie hat sich gewehrt und nun liegt er schwer verletzt im Auto.

Der Jugendliche, der einen Streit angefangen und seinen Kumpel niedergestochen hat, selbst verletzt wurde und auf dem Weg in den OP-Saal ist.

Der Autofahrer, der zu schnell fuhr, überholte, den anderen Verkehrsteilnehmer tödlich verletzte und aufgeregt in meinem Auto sitzt.

 

Egal wer es ist. Er verdient eine professionelle Behandlung. Egal, was er getan hat, du bist für ihn zuständig, verantwortlich.

Auch wenn es nicht einfach ist.

 

Eigenschutz

Die Einsatzmeldung lautet: Kind beim Schlittenfahren verletzt, bewusstlos.
Doch die Straßen sind nicht geräumt.

Ein Fahrradfahrer ist den Hang heruntergefallen.
Aber die Strecke ist kurvig und unübersichtlich.

Der Vater ruft aufgeregt an, sein Baby atme nicht mehr.
Es hat jedoch gefroren und die Straße ist glatt.

In dem brennenden Haus ist noch eine junge Mutter.
Aber die Feuerwehr ist noch nicht da.

Der Mann ist beim Arbeiten in der Kläranlage zusammengebrochen und scheint bewusstlos zu sein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass giftige Gase sich gebildet haben, ist groß.

Menschen, die im Rettungsdienst arbeiten, sind nicht Helden, die mit Blaulicht zur Unfallstelle fahren und immer gewinnen.
Manchmal müssen sie auch damit klar kommen, dass sie nicht retten können.

(retten kann nur eine Person..)

Die Lösung

Feiertage stehen vor der Tür. Die Kinder haben Ferien und das Wetter ist super.
Alles ist geplant, wenn da nicht die einzige Hürde wäre.
Was wird mit Opa gemacht?

Das Krankenhaus ist voll, aber das ist es ja schon immer. Die Ärztin schaut sich die Patienten an, entscheidet sich, einige heimzuschicken, die auch gerne nach Hause wollen. Oma freut sich.

Dann sieht das so aus:
Der Hausarzt wird gerufen: also so gehts mit dem Opa nicht weiter.

Die Oma wird zu Hause angekündigt und wird mit langen Gesichtern empfangen: Also wie kann man nur…

Die Lösung ist ganz einfach:
Ich schicke Opa ins Krankenhaus.

Und ich schicke Oma nach Hause, ich brauche Platz, sie ist fit.

Alles klar. Alle sind glücklich.

Aber eine kurze Frage noch:
Denkt jemand an Opa und Oma?

Durchfallen

Jeder hat eine Phase, in der er sich Fragen stellt, wie das Leben weitergeht. Ob es sich lohnt oder nicht. Ob man kämpfen oder resignieren soll.
Auslöser mögen viele sein. Die Scheidung der Eltern, ein plötzlicher Todesfall, ungeahnte Verluste, Misshandlungen (ganz gleich welcher Art). Es gibt viele Gründe.
Viele sagen:
Stell dich nicht an.
Anderen geht es schlechter.
Ach komm, da kommst du doch drüber hinweg.
Er/Sie ist es nicht wert.
Verzogene Psycho-Göre.

Manche kommen drüber hinweg, sie schaffen es und stehen mit 20, 25 auf starken Beinen.
Es war „nur“ eine Phase.

Doch was ist mit denen, die durchfallen? Die, welche ich fahre.
In die Psychiatrie.
In die Chirurgie zum Nähen.
In die Innere Abteilung mit einer Vergiftung.
Überhaupt gar nicht, da sie geschafft haben, erfolgreich zu sein.

Aber ist ja auch egal.
Psychozeugs und so.
Sollen sich nicht anstellen.

Wo sind wir gelandet?

Wird kurz weh tun.

Sportveranstaltung, um die Mittagszeit.
Die Jugendlichen nehmen an verschiedenen Wettkämpfen teil, viele Zuschauer und Helfer sind auch vor Ort. So auch ich.
Plötzlich werde ich gerufen, ein Junge habe sich verletzt, ich habe doch bisschen „Ahnung“, ob ich nicht mal kurz…
Aber sicher, in paar Minuten stehe ich vor dem kleinen Mann, 11 Jahre, schmerzverzerrtes Gesicht.
Ich frage ihn, was passiert ist und wo es ihm weh tut.
Er deutet auf seine Schulter und ich sehe sofort seine Problematik. Ganz vorsichtiges Abtasten bestätigt meine Verdachtsdiagnose und ich teile ihm mit, dass er ins Krankenhaus muss, da seine Schulter ausgekugelt ist (bzw. er hat eine Schulterluxation).
Der Kleine versteht das und fragt, ob es sehr weh tun wird.
Während ich ihm noch darauf antworten möchte, drängelt sich eine Person vor, schaut sich die Sache an und sagt zu dem Jungen:
„Ach, wir können das auch gleich hier – so und so (kurze Erläuterung) – machen, wird halt kurz weh tun.“

Danke für das Gespräch.
So fangen wir erst gar nicht an.