Verrechnet

„Also, heute bringst du mir nichts. Fahr Kinder, meinetwegen auch internistische Fälle, doch nichts für mich.“
Der chirurgische Aufnahmearzt lehnt lässig an einer Tür im Notaufnahmezentrum und lächelt mich breit an. Bevor ich antworten kann, meldet sich der Piepser und ich muss weiter. Der Doc ruft mir lachend hinterher: „Du weißt ja…“

Einige Zeit später bringen wir tatsächlich ein Kind. Strahlend schaut er mich an: „Fieberkrampf!? Zwei Eingänge weiter, ja?“

Der nächste Patient landet in der Neurologie und wieder spickt er erleichtert um die Ecke, denn er hat heute viele Patienten zu versorgen.

Dann kommt schon das nächste Kind, Unfall im Sportunterricht, v.a. Bänderriss.
Kurze Zeit später der 4-jährige mit der Kopfplatzwunde und auf einmal liegt da eine 12-jährige mit einem Unterarmbruch.
Die strahlenden Augen werden langsam dunkel und ein gestresster Zug legt sich auf sein Gesicht.

Kurz vor Feierabend rollen wir wieder ein, im Schockraum steht schon die versammelte Mannschaft und wartet auf das Kleinkind mit Verbrennungen.

Zwischen Tür und Trage flüster ich ihn zu: „Du wolltest ja Kinder!“
Empört raunt er zurück: „ja, aber andere!!“

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