Und manchmal gewinnt der andere

Es sieht hier so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
Obwohl, nicht ganz.
Eher, als hätte einer den Rucksack einmal ausgeleert und alles aufgerissen.

Das was wir hier gemacht haben, war ganz große Medizin. Das, worüber wir noch reden werden und sagen: dafür haben wir die Ausbildung gemacht.
Wir haben reanimiert, beatmet, intubiert, injiziert, infundiert, defibrilliert.
Nebenher schmeißen wir eine Runde Katecholamine zur Kreislaufstabilisierung
(für die medizinisch interessierten Laien: das sind Medikamente, die ein Patient besonders in der Phase nach der erfolgreichen Reanimation benötigt um den Kreislauf (Blutdruck) aufrecht zu erhalten… Dazu wird z.b. Arterenol über eine Spritzenpumpe, d.h. Perfusor, verabreicht.)
und freuen uns über den Erfolg.

Doch manchmal kann man kämpfen wieviel man möchte.
Manchmal kann man Medikamente im Wert von 2000€ im Bruchteil einer Sekunde verabreichen und kurz Vorsprung gewinnen um nachher auf der Zielgerade ein Bein gestellt zu bekommen.

Manchmal verliert man. Da gewinnt der andere.

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Ritual

Ich mag Nachtdienste, ich glaube das lässt sich aus dem einen und anderen Post herauslesen.

Es gibt da so ein Ritual, das ich ab und zu im Nachtdienst mache, nicht jedes mal, nur dann und wann.

Wenn ich den Patienten wohlbehalten in der Aufnahme übergeben und den Papierkram erledigt habe, gehe ich die stillen Treppen und dunkle Fluren Richtung Wagenhalle.
Unterwegs lege ich einen Halt in einer der vielen Ambulanzen ein.

Dort setzte ich mich auf einen der leeren Stühle die vor paar Stunden noch besetzt waren.
Ich trinke ein wenig, manchmal lese ich eine Kinderzeitschrift (das Leben ist schon erwachsen genug) und genieße die Ruhe.

Der Stress kommt von ganz alleine.

Es kommt drauf an, auf welcher Seite man steht

Leise schließen sich die Türen hinter mir. Ich trete in die Wagenhalle ein und stehe vor dem Auto.
In Gedanken bin ich noch bei dem Patienten, den wir gerade ins Krankenhaus gebracht haben.
In der Aufnahme hat mir die Ärztin zudem von einer anderen Patientin erzählt, die ich vor einiger Zeit brachte.
Sie hat ihre schwere Erkrankung halbwegs überstanden und befindet sich in einer Reha.
Der jetzige Patient ist so krank, dass es kaum Hoffnung hat für ihn.

Während ich so dastehe und die die Tür, die sich immer wieder öffnet und schließt, anschaue, bin ich froh, dass ich herausgehen kann und nicht hinein muss.

Nur Leben ist schöner

Viele sagen:
„Oh du arbeitest im Rettungsdienst, da siehst du ja voll die schlimmen Unfälle.“
„Verkraftest du das alles?“
„Ih, dann musst du ja Blut und eklige Wunden sehen!!“
„Ist bestimmt schwer, Schichten zu arbeiten und auch nachts leistungsfähig zu sein.“
„Hm, manche Patienten sind doch ganz schön schwer und die Autos so groß..!?“

Das stimmt auch alles. Ist genau so und ja, es ist schwer, es ist blutig, dreckig, anstrengend, traurig..

Aber das ist nur die eine Seite.

Wir dürfen…
… mit Sonderrechten fahren, weil wir retten müssen.
… auf der Straße parken, im Parkverbot stehen, durch Staus fahren.
…. mit wenigen Medikamenten Linderung verschaffen.
… ängstliche Menschen trösten.
… in die Privatsphäre anderer eintreten
… das Vertrauen anderer an unsere Maßnahmen genießen (meistens).
… Kindern den RTW zeigen.
… Babys zur Welt bringen.
… Schmerzen nehmen.

Und vor allem:
Wir haben die Möglichkeit, Menschenleben zu retten. Wir können eine entscheidende Maßnahme machen, die sich positiv auf das Leben des Menschens auswirkt.

Diese schöne Seite ist viel mehr wert als der sechste Einsatz in der Nacht, der 120kg schwere Patient, die spritzende Wunde.

übrigens: wer von euch weiß, von wo der Spruch in der Überschrift ist?