Warum es dauert.

Während Sie morgens um sieben noch gemütlich den Wecker ausmachten, stand ich schon im Rettungswagen und kontrollierte unser Material und die Geräte. Draußen ist es kalt und ich weiß, dass ich trotz meiner warmen Socken frieren werde.

Als Sie am Frühstückstisch saßen, befanden wir uns neben einer älteren Dame, die von starken Schmerzen geplagt war. Wir untersuchten sie und hofften sehr, dass unser Verdacht sich nicht bestätigt.

Danach setzten wir uns für 20 Minuten zu einer kurzen Pause hin und aßen ein wenig.

Während Sie möglicherweise Ihr Mittagessen vorbereiteten, überlegten wir, wie wir den Patienten schnell und schonend ins Krankenhaus bekommen. Gar nicht so einfach bei 20 Treppenstufen, deren Unebenheiten uns sehr zu schaffen machen.

Nachmittags räumten Sie gegebenenfalls den Schnee ihres Straßenbereichs. Wir bräuchten kein Betätigung in diesem Maße, denn 130 kg Lebendgewicht ersparen uns jegliche Mitgliedschaft für ein Krafttrainig.

Während sie sich den wohlverdienten Kaffee schmecken ließen, wurde unsere Geduld stark durch einen jungen, gewalttätigen Mann strapaziert. Die Polizei war auch im Einsatz und wir stellten wieder mit großer Dankbarkeit fest, dass wir so froh sind, diese Jungs zu haben.

Wenn Sie sich gegen Abend nach möglicherweise erneutem Schneeräumen auf das Sofa setzten, fuhren wir durch das dichte Schneetreiben, wohl wissend, dass eine unvorsichtige Reaktion nicht nur Folgen für uns haben könnte, sondern auch das Leben des Notarztes und des schwer kranken Patienten auf dem Spiel steht.

In der Zeit, in der Sie Ihr Abendessen genossen, schauten wir in den unordentlichen Rettungswagen und begaben uns aufseufzend an die Arbeit.

Während Sie in Ihrem Bett liegen, habe ich mich auch zur Ruhe gelegt, wissend, dass mich mein schmerzenden Körper und die verschiedenen Gedanken lange nicht einschlafen lassen werden.

Und während Sie auf uns warten, werden Sie nicht wissen können, warum wir einige Minuten länger brauchen. Aber wenn wir kommen, werden Ihre ersten Worte sein: „Warum haben Sie so lange gebraucht??“ Und während Sie mit ihren nächsten Worten: „Haben Sie wohl Kaffee getrunken?“ Ihr Urteil über uns und unsere Arbeit fällen, wird unsere Antwort stets sein: „Nein, wir haben gearbeitet.“

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