Machtlos

RTW-Einsatz, kein Sondersignal, ohne Doc.
Der Patient ist ziemlich angeschlagen, hat eine Grunderkrankung, die nicht behandelbar ist, doch die Symptome lassen sich gut unter Kontrolle halten.
Doch irgendwie geht es heute nicht mehr, die Angehörigen wissen nicht weiter und riefen uns an.
Der Patient ist krank, das sieht man. Aber heute will er nichts. Er will keine Infusion, keine Medikamente, keinen Transport, keinen Krankenhausaufenthalt.
Vergeblich versuchen Angehörige und Rettungsdienst ihn zu überreden, so fahren wir wieder zurück.
Still und nachdenklich. Traurig.

Normalerweise habe ich schwierige Einsätze spätestens nach einigen Tagen verarbeitet, nehme nur schwierige Fälle mit heim.
Dieses mal ist es anders.
Es liegt nicht am Einsatz, an der traurigen Situation.
Es liegt am Menschen. Diesmal kann ich den Einsatz nicht mit dem Ausfüllen des Protokolls abschließen.
Jeden Tag werde ich an diese Situation erinnert.
Diesmal geht es nicht um Herrn Müller oder Frau Schmidt.
Nein, dieses mal ist es eine Person, die mir sehr wichtig ist. Eine Person, ohne die ich vielleicht leben kann, aber es einfach nicht will.

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Regentropfen

Der Melder geht.
Im Auto drücke ich den Status und bekomme folgende Nachricht:
BAB Richtung X, Höhe Ausfahrt, VU

Während mein Kollege losfährt spule ich schnell einige Algorithmen im Kopf ab. Das NEF nimmt den Notarzt auf und es geht los.
Draußen war die ganze Zeit trübes Wetter und während wir fahren fängt es ordentlich an zu regnen.
Ich ziehe meine Jacke an und eigentlich will ich gar nicht raus in den strömenden Regen.

Am Einsatzort angekommen nehme ich Tasche und StiffNeck und begebe mich Richtung Patient.
In diesem Moment bricht die Sonne hervor und ihre helle Strahlen leuchten mir ins Gesicht.

Ich fühle mich innerlich gestärkt.

In einem Zug

Eines haben viele Krankenhäuser gemeinsam: diese unglaublich praktischen Anfahrten.
Eine liegt am Berg, die nächste in irgendeinem Hinterhof und Platz zum Rangieren wird überbewertet.
Und da soll ein großer RTW rein, zudem müssen da mehr als einer stehen und vielleicht muss man noch Patienten ausladen.
Naja!

Dieses Klinikum hat wieder so eine unpraktische Liegendanfahrt.
Wir kommen an und ich sehe schon den unterdimensionalen Fußballplatz und die rauchenden RAs und Ärzte.

Mein Kollege fragt, ob er rausgehen soll um mich einzuweisen, doch ich bitte ihn, nur nach hinten raus zu schauen, falls es knapp wird.

Den Männern ist aufgefallen, dass eine Frau am Steuer sitzt und prompt habe ich die Aufmerksamkeit, die ich nicht haben möchte.
Doch ganz ruhig fahre ich eine Kurve, lege den Rückwärtsgang ein, lenke bisschen hier und da, schaue in die Seitenspiegel und fahre in die Halle hinein.
In einem Zug.

Wir Frauen im Rettungsdienst können einparken.
*zwinker*

Ein neues Leben

Sie liegt in meinem Auto auf der Trage. Ein leises und monotones Piepsen erfüllt den Raum und auf dem EKG sehe ich ihren Herzrhythmus.
Sie sieht blass und ängstlich aus, doch in ihren Augen sehe ich ein hoffnungsvolles Schimmern und erwartungsvolles Leuchten.
Sie ist im Moment stabil, doch trotzdem fährt mein Kollege mit Sonderrechten. Die Autobahn ist voll und wir haben es eilig, denn wir sind in einer besonderen Mission unterwegs.
Selten fahren wir solche Einsätze und ich kann mich ihrer Faszination nicht entwehren.
Vor nicht mal 5 Stunden war diese Frau eine ganz normale Frau, die nur viel kränker ist als der Rest der Menschen und die auf einer Liste steht, auf die nur ganz besondere Menschen kommen, die sich nichts mehr wünschen als nie auf dieser Liste zu stehen oder wenigsten schnell von der Liste verschwinden.

Doch jetzt ist es anders. Sie steht unmittelbar davor, von dieser Liste entfernt zu werden. In diesem Moment fühlt sie Angst, aber die Freude überwiegt.
Endlich ist es soweit.
Sie fährt ihrer Lunge entgegen.
Einem neuen Leben.

Nur so

Der ältere Herr liegt in meinem Auto, die Vakuummatratze ist abgesaugt, um den Hals ist ein StiffNeck befestigt und ein monotones Piepsen füllt die Stille im RTW. Er hat einen 16G-Zugang (graue Venenverweilkanüle) am Arm und schnell tropft die Flüssigkeit in die Vene.
Der Mann ist etwas verlangsamt und klagt über Schmerzen, die mit hochpotenten Schmerzmitteln bekämpft werden.
Wir haben es nicht so gut, ein bisschen arbeitet die Zeit gegen uns, doch wir können nichts daran ändern.

Unterwegs unterhalte ich mich mit dem älteren Herr und will noch mal wissen, wie er auf die Idee kam, auf einer stark befahrenen Straße herumzulaufen.
Schelmisch grinst er mich an:
„Ach wissen Sie, Fräulein, ich wollte doch bisschen spazieren gehen. Im Heim mit den Alten halte ich es nicht mehr aus.“

Eine sanfte Antwort

Dicke Luft hier. Der Gang ist eng, weil zum einem viel da steht und zum anderen viele da stehen. Patienten, Schwestern, Ärzte, Rettungsdienst. Dann noch das ganze zugehörige Material, Trage, Rollstuhl, Wäschewagen, Infusionsständer, Visitenwagen.
Und die Fragen:
„Bitte, die Infusion ist durch.“
„Der Herr in Zimmer 5 bekommt noch eine Vomex in die Infusion.“
„Wie lange muss ich noch warten?“
„Aber mein Knie tut so weh..“
„Männlich, 28, z.n. Krampfanfall, wo sollen wir hin?“

Die Schwester ist genervt, der Arzt gestresst, der Rettungsdienst verärgert und die Patienten sauer.
Am liebsten würde ich den Patienten einfach liegen lassen und weggehen. Geht mich doch nichts an, sollen die doch alle selber fertig werden.
Doch ich atme tief ein und lasse die Schwester erst mal in Ruhe. Wir lagern den Patienten um, bereiten alles zur Aufnahme vor, dem ungeduldigen Patienten von vorhin hänge ich die Infusion ab wechsle kurz paar Worte mit den andern und erkläre ihnen die Situation.
Langsam kehrt Ruhe ein, unser Melder geht und wir müssen wieder los, los ins Ungewisse, vielleicht auch ins Stressige, wir wissen es nicht.

Einige Stunden später sind wir wieder da, die Atmosphäre ist besser, die Leute ruhiger.
Während ich das Protokoll zu Ende ausfülle schaut die Schwester mich an und in ihrem Gesicht lese ich Dankbarkeit.
Mehr brauche ich nicht.
Und ich weiß: es lohnt sich. Immer.

Ach Nein…

So ein richtiger Notfall mit blauen Lichtern, lauten Tönen und großer Medizin.
Wir sind die ersten, der Notarzt braucht noch etwas.
Am Einsatzort schalten wir jedoch einen Gang zurück, denn die Situation ist nicht so dramatisch, wie die Meldung es vermuten ließ.

Die Basismaßnahmen werden abgearbeitet, die Anamnese vervollständigt.
Wie immer frage ich nach Vorerkrankungen, hier geht es speziell um Herzerkrankungen, bekannte Rhythmusstörungen, vielleicht auch Schlaganfälle. Bewusst formuliere ich die Fragen einfach, verzichte auf die Ärztesprache.

„Ach Nein, gar nichts“ ist die Antwort.
Auch gut, nicht jeder mit 70 muss krank sein.

Kurze Zeit später kommt der Doc und der Kollege sucht schon mal die Versicherungskarte uns nach einem etwaigen Medikamentenplan (vielleicht bisschen Vitamine, wer weiß..).
Und siehe da, es erscheint einer.

Was ich dann zu lesen bekomme erwärmt und erschüttert mein Herz gleichermaßen.
Ich hatte doch Recht gehabt.
Und warum sagen die Leute nicht, dass sie
Bluthochdruck
Herzrhythmusstörungen
KHK
Herzinsuffizienz
(…)
haben?

Award (2)

Gerne möchte ich den Award weitergeben. Folgende Personen nominiere ich dafür (es werden nicht 11 sein..):

Drei ganz besonders starke Jugendliche

1.) Saskia

2.) Pia Isabella

3.) OP-Tisch-Pilotin

und weitere

4.) Retter aus Leidenschaft

 

Mehr habe ich leider nicht zu bieten. Wer jedoch trotzdem gerne die Fragen beantworten möchte, kann diesen Award gerne annehmen.

 

Meine Fragen dazu lauten:

 

1.) Was ist deine Lieblingsjahreszeit?

2.) Welche Bücher liest du gerne?

3.) Was war/ist dein Lieblingsfach in der Schule?

4.) Hast du Geschwister und wenn ja wieviele?

5.) Was ist eines der schönsten Dinge, die du erlebt hast?

6.) Was ist (d)ein Plan für die Zukunft?

7.) Was würdest du gerne machen, konntest es jedoch aus Zeit-oder Geldmangel nicht verwirklichen?

8.) Welche Sportart machst du gerne?

9.) Lieblingsgetränk?

10.) Gäbe es eine Sache/einen Zustand, den du gerne verändern würdest (in deinem Leben, der Gesellschaft)?

11.) Wie verbringst du deine freie Zeit?

 

Und die Regeln noch dazu:

  • Mache einen Post auf deinem Blog und verlinke die Person, die dich nominiert hat
  • Beantworte die 11 Fragen
  • Suche dir dann deine 10 Lieblingsblogs aus, die unter 200 Lesern haben
  • Denke dir ebenfalls 11 Fragen
  • Schreibe deinen getaggten Blogs, dass sie den Award gewonnen haben