Im KTW

Eine ältere Dame, um die 80, ich bin hinten, mein Kollege fährt.

„Du bist doch Zivi, stimmts?“

jaaaaa.. klar 🙂

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Traurig.

Als wir kommen, steht das Auto im Hof und der Herr werkelt im Garten herum. Freundlich grüßen wir ihn, gehen dann jedoch schnell in das Nachbarhaus zu unserem Einsatz. Dort wartet schon unsere Patient auf uns. Er liegt in halb sitzender Position, weil ihm das Atmen ein wenig schwer fällt. Auf den ersten Blick macht er einen einigermaßen ordentlichen Eindruck, der zweite Blick verrät uns jedoch eine lange Leidensgeschichte, die, wie es scheint, im Moment ihren Höhepunkt erreicht. Das „ein wenig schwere Atmen“ entpuppt sich als immer stärker werdende Atemnot und durch Thoraxauskultationen (Abhören der Lunge mittels Stethoskop) fallen uns die abnormen Atemgeräusche auf.

Mit einiger Mühe (soo fit ist der liebe Mann dann doch nicht) gelangt er in unseren Rettungswagen. Uns ist klar, dass wir einen Arzt benötigen, der dem Mann Medikamente gibt, die ihm zum einem das Atmen erleichtern, die Angst nehmen und zum anderen bewirken, dass das Wasser, das sich im Körper gesammelt hatte, verstärkt über die Niere ausgeschieden wird. Die Grunderkrankung jedoch ist durch eine solche Behandlung nicht behebbar.

Während wir nun im Auto sind und den Einsatz abwickeln, die Medikamente herrichten und ihm verabreichen, befindet sich besaglicher Herr (Nachbar?) immer noch im Hof und verfolgt das Geschehen mit offenen Augen.. und offenen Ohren. Endlich ist der Patient soweit versorgt, dass wir über den Transport reden können.

Vor dem Auto steht unser Notarzt, welcher sich mit der sehr besorgten Ehefrau unterhält und ihr Erklärungen liefert.

Das Gespräch der beiden neigt sich, des Nachbarn nach, augenscheinlich zum Ende. Er macht nun einige Schritte auf die Personen vor dem Auto zu und spricht mit einem sehr forderndem, genervten Tonfall:

„Wann fahren Sie endlich weg hier? Ich warte schon die ganze Zeit, dass ich endlich hier raus kann!“

Uns fehlen die Worte.

Auf leisen Sohlen

Seine Nachbarn hatten uns gerufen, sie hatten mal durch das Fenster geschaut und gesehen, dass er einfach so daliegt und sich nicht bewegt.

Somit kamen wir ins Spiel, von der Leitstelle erhielten wir die Information, dass eine Person leblos in der Wohnung liegt, wir wussten, dass wir vor dem Notarzt an der Einsatzstelle sein werden.

Kurz vor dem Eintreffen sahen wir einige Menschen vor dem Haus stehen, das sieht ja nicht so schlimm aus, war mein erster Gedanke, wahrscheinlich nur ein „falscher Alarm“. Aber trotzdem nehmen wir das ganze Equipment mit (zur Information: bei folgender Einsatzmeldung erfordert es die Mitnahme von Koffer/Rucksack, EKG, Sauerstoffgerät (Medumat) und Absaugeeinheit).

Zum Glück konnten wir schnell und ohne Probleme das Haus betreten. Doch der erste Blick verriet uns, dass es schon lange zu spät war. Er lag auf seinem Bett, die Fingerspitzen, Zehen und Lippen waren blaugefärbt, die Augenlieder rot-blau gefärbt und der Körper kalt, steif.

Und da stellt sich die Frage, was der Grund war? Eine Hypoglycämie (Unterzucker) oder eine Herzrhytmusstörung? Oder ein Suizidversuch. Fragen, die nicht mehr einfach zu beantworten sind, vorallem nicht an der Einsatzstelle.

Aber eine Sache brennt sich tief in mein Herz hinein: Der Tod kommt einfach so. Man kann nicht vorhersehen, wann man stirbt. Nicht immer kommt das Ende dramatisch und laut in einem Verkehrsunfall. Nein, oft kommt er ganz einfach auf leisen Sohlen und reißt Menschen aus dem Leben.

Und wir? Uns lehrt das, zu jeder Zeit bereit zu sein.