Hauptsache schlimm!

„… Und dann habe ich erst mal alle Leute zur Seite geschoben. So ein offenes Schädel-Hirn-Trauma wollte ich mir nicht entgehen lassen…“

Der (sehr) junge Kollege berichtet großspurig von dem letzten Einsatz, einer Schussverletzung. Die FSJler hängen halb hingerissen halb angewidert an seinen Lippen und lauschen seinen Ausführungen.

Endlich scheint er fertig zu sein. Eine kurze Stille tritt ein.
Dann hört man eine leise Stimme:
„Könntest du vielleicht nochmal sagen, was genau du an diesem Einsatz so toll fandest?“

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Ein ganz normaler Tag (2)

14:00 Uhr Wir haben es geschafft, etwas zu essen und nun müssen wir weitermachen.
Ein Auto muss nun zum TÜV und das andere zum Reifen wechseln. Ich schicke erstmal die Kollegen zum Reifenwechseln weg, das geht erfahrungsgemäß schnell. Dann kommen die anderen dran.

14:30 Uhr Leider macht uns die Leitstelle einen Strich durch die Rechnung und schickt das TÜV-Auto zu einer Verlegung weg. Pech gehabt, diskutieren hilft nicht, auch dass es nur eine halbe Stunde dauert, bis das andere Auto fertig ist. Ist so.

15:10 Uhr Die Arbeit im Lager muss noch zu Ende gemacht werden, einige Sachen auf der Wache sortiert, ein-und aufgeräumt werden. Zudem brauchen die Autos eine dringende Wäsche. So plätschert die Zeit vor sich hin. Zwischendurch haben wir alle paar Einsätze, kurze Einweisungen.

16:30 Uhr Der Kaffee ist frisch durch, der Kuchen steht auf dem Tisch, die Stille wird durchbrochen. Wir müssen leider die Kaffeetafel verlassen. Es geht zu einem Kind, 1 Jahr alt, bewusstlos. Ich drück aufs Gas, meine Kollegin hält sich krampfhaft fest. Die Straße ist frei, ich spreche immer paar Stoßgebete, dass wir rechtzeitig ankommen.
Hinter mir sehe ich das NEF, der Kollege ist für seinen sportlichen Fahrstil bekannt. Somit treffen wir gleichzeitig ein.
Draußen stehen zwei ältere Herren und drinnen hören wir Schluchzen. Schnell gehen wir in das Haus hinein. Auf dem Bett liegt ein kleines Kind, das mehr oder weniger bedingt ansprechbar ist und soweit ausreichend atmet. Laut Eltern ist das bis jetzt kerngesunde Kind in den letzten Tagen immer schlapper geworden, hätte viel getrunken und heute war es so schläfrig und momentan bekommen sie es nicht richtig wach.
Unsere Verdachtsdiagnose steht und ein BZ-Stix bringt astronomisch hohe Werte. Wir erklären den Eltern, worum es sich bei dem Jungen handelt und sagen, dass wir jetzt gleich in die Klinik fahren werden.
Ich bin froh, dass Dr. 14G da ist und somit bekommt das Kind einen i.v.-Zugang und etwas Flüssigkeit.
Auf schnellem Wege geht es zur Kinderklinik.

17:30 Uhr Abladen, Übergabe, Auto wieder richten und weiter gehts. Eine Kollegin möchte gern noch paar Informationen über einige Geräte und die FSJlerin will noch einige fachlichen Fragen klären.

18:20 Uhr Jetzt darf nichts passieren. Denn in einiger Zeit werden wir abgelöst.
Dann piepst es wieder. Doch es ist nicht unser Notfall. Mal sehen, ob wir es schaffen. Wir räumen noch etwas auf, damit alles schön sauber ist.

18:45 Uhr Das Auto meines Kollegen ist schon zu sehen. Der Feierabend ist endlich da.
Ich übergebe ihm den Melder und informiere ihn über den Tag. Sage, dass einige Aufgaben leider nicht erledigt werden konnten und dass das Auto soweit aufgefüllt und gerichtet ist.

18:55 Uhr Während dem Umziehen höre ich den Melder.
Es scheint so weiterzugehen.
Ich habe jetzt Feierabend.

Ein ganz normaler Tag (1)

Heute möchte ich euch einen ganz normalen Tag in einer Rettungswache beschreiben. Bei einigen läuft das ähnlich ab, andere haben komplett andere Strukturen und Zeiten.

06:40 Uhr Mein Auto rollt auf den Parkplatz, in der Wache nehme ich mir meine Hose, meinen Polo und vielleicht einen Sweater. Meine Kollegin ist auch schon da.

06:45 Uhr Die Kollegen der Nachtschicht sitzend mit kleinen Augen und großen Kaffeetassen am Tisch. Von meinem Kollegen erhalte ich Melder, Schlüssel und Informationen, wie die Nacht lief, was (noch) aufgefüllt werden sollte und so weiter.

07:00 Uhr Ich checke ab, welche Aufgaben heute erledigt werden müssen, was vom Vortag übrig geblieben ist und welche Termine anstehen.
Heute muss eines der Autos zum TÜV, das andere bekommt neue Reifen, mal sehen, wie wir das unterkriegen.
Während ich noch nachdenke geht schon der Melder. Meine Kollegin und ich gehen Richtung Auto und erhalten die Einsatzmeldung: AZ-Verschlechterung, CA-Patientin
In der Wohnung der Patientin ist es ziemlich warm, trotzdem friert sie sehr. Sie bekommt seit einigen Wochen Chemo-Therapie und nun steigt seit gestern die Temperatur kontinuierlich. Momentan befinden wir uns bei 39,6 Grad. Hier mache ich nicht lange rum, die Patientin wird eingeladen, die Werte gemessen, ein Zugang etabliert und es geht in die Notfallaufnahme. Unterwegs messe ich immer wieder die Temperatur und die Werte, sowohl die Temperatur als auch die Herzfrequenz steigen, doch die Dame ist immer noch wach, ansprechbar und voll orientiert.

08:10 Uhr Nach der Übergabe gehts wieder auf die Wache zurück. Unterwegs kaufen wir kurz beim Bäcker ein (ja, auch wir brauchen etwas Nahrung).

08:20 Uhr Wir müssen noch die verbrauchten Materialien auffüllen, das Protokoll zu Ende ausfüllen und den EDV-Bericht schreiben.
Nach nach trudeln die andern Kollegen ein, andere gehen wieder oder haben einen Einsatz.

09:15 Uhr Meine Kollegin hängt die vollen Wäschesäcke ab, bringt den Müll raus und räumt in der Küche auf. Ich lese eine Fachzeitschrift und die andere RTW-Besatzung wiederholt für das Examen des RS, der heute auf dem Auto fährt.

10:00 Uhr Der andere RTW muss jetzt eine Verlegung fahren. Wir gehen in den Lagerraum und schauen das Material durch, notieren was muss bestellt werden, räumen Sachen auf, die nicht korrekt eingeräumt und so weiter. Diese Aufgabe nimmt viel Zeit in Anspruch.

Um 10:45 Uhr werden wir unterbrochen, es geht zu einem Notarzteinsatz, Verkehrsunfall, 1 Person verletzt.
Schnell wird das Lager abgeschlossen und der Einsatzort angefahren. Einer 19-jährigen wurde die Vorfahrt genommen, sie war mit einem Roller unterwegs, der Verursacher mit einem Q5.
Das Mädel liegt auf der Straße, ist noch wach, jedoch bedingt ansprechbar. Ein kurzer Bodycheck ergibt Verletzungen im Thoraxbereich und Abdomen. Sie hatte zwar einen Helm auf, trotzdem hat sie eine imposante Kopfplatzwunde.
Da sie immer mehr eintrübt und ihre Atmung insuffizient wird, intubieren wir vor Ort. Zum Glück ist einer unserer besten Ärzte da, der nicht den Kopf verliert.
Es erfolgt die Anmeldung im Schockraum und auf schnellsten Wege geht es in die Klinik.

12:00 Uhr Die Patientin ist bereits auf dem Weg in den OP. Wir erledigen im Krankenhaus unsern Papierkram und fahren zur Wache zurück.

13:00 Uhr Bis wir alles geputzt, aufgeräumt und aufgefüllt haben, ist eine Stunde vergangen. Langsam macht sich unser Magen bemerkbar und wir überlegen, was wir heute zu Mittag essen wollen.

Fortsetzung…

Sprachlos

Ich stehe da, höre seinen Ausführungen zu und versuche, die Informationen im Kopf bisschen zu sortieren.
Da herrscht ein Durcheinander und die Situation ist skurril.
Langsam kommen Worte in meinem Neocortex an und mechanisch mache ich die Aufgaben, die dieser Einsatz erfordert. Ich spreche mit den Beteiligten, gebe Anweisungen, aber innerlich bin ich betäubt, mit den Gedanken wo anders.

Der Patient ist wohlbehalten im Krankenhaus angekommen, wir setzten uns in das Auto und es geht wieder Richtung Wache.
Plötzlich sehe ich meinen Kollegen grinsen. Grinsend schaue ich zurück und wir beide lachen um die Wette.
„Du warst vorhin schon ziemlich müde??“

Dienstgedanken (2)

* Warum hilft der Pfleger nach Dienstschluss, während seine Kollegin uns während ihrer Arbeitszeit ignoriert.

* Wenn wir kommen fragen die Menschen, warum sie ins Krankenhaus müssen.

* Warum lässt der Arzt einen schwerkranken Menschen nach Hause und weist den anderen mit Blaulicht ein?

* Warum herrscht ein ewiger Macht-und Konkurrenzkampf zwischen Rettungsdienst und Pflege. Wir sind doch ein Team.