Auf ein Wort (1)

Liebe Rettungsdienstmitarbeiter,

ich habe euch angerufen, weil es mir oder einem meiner Angehörigen oder Bekannten nicht gut geht. Ich habe euch angerufen, weil ich gesehen habe, dass ein Mensch Hilfe benötigt, ich habe euch angerufen, weil ich gesehen habe, dass ein Unfall passierte und ich es als meine Pflicht sehe, euch zu informieren.

Ich weiß, dass ihr oft wichtige Dinge zu erledigen habt, manchmal nicht richtig essen könnt und viel zu oft Überstunden macht.

Ich schätze sehr, dass ihr trotz allem euch die Zeit nimmt, euch um mich oder einer hilfsbedürftigen Person zu kümmern. Ich glaube, dass ich mich (meistens) auf euch verlassen kann und euer kompetentes Auftreten lässt mich oft denken, dass ihr Ärzte seid, selbst wenn ihr ohne einen Notarzt unterwegs seid.

Ich schätze sehr, dass ihr mit mir und mit anderen erkrankten Personen redet und ihnen das Gefühl gibt, nicht nur eine Fallnummer zu sein. Ich freue mich, dass ihr mich fragt, was ich heute gemacht habe und ob ich was gegessen habe. Ich weiß, dass ihr das sehr wahrscheinlich für eure Unterlagen braucht, aber das vermittelt mir das Gefühl, dass ihr euch für mich und mein Leben interessiert.

Ich schätze es sehr, dass ihr mir nicht nur Fragen stellt, welche Medikamente ich einnehme sondern auch wissen wollt, wie das kleine Enkelkind hieß, dass der Sohn auf dem Arm hatte oder wieviele Katzen ich daheim habe.

Ich schätze es sehr, dass ihr meine Angehörigen mit Respekt behandelt, ihnen Fragen stellt und nicht über ihren Kopf hinweg redet. Ich freue mich sehr, dass ihr auch mir Fragen stellt, um euer Bild über die Notfallsituation zu vervollständigen.

Bitte versteht, wenn ich ich als Patient oder Angehöriger zwei mal nachfrage, wie genau der Blutdruck ist. Ich verstehe zwar nicht, was genau ein Blutdruck von 200 macht, aber ich weiß, dass ein Blutdruck von 200 nicht gesund ist und weil mir meine und die Gesundheit meines Angehörigen wichtig ist, frage ich euch, um ganz sicher zu gehen.

Seid mir nicht böse, wenn ich mich ins Gespräch einmische. Ich habe Angst, dass mein Angehöriger die Sache zu sehr runterspielt. Ich mache mir Sorgen und diese sind nicht durch ein hartes „jetzt seien Sie mal bitte ruhig und mischen sich nicht ein“ auszulöschen, aber durch ein ruhiges und bestimmtes Auftreten, das ich sehr bewundernswert in solch einer Situation finde, werde ich versuchen, mich mehr zurückzuhalten.

Wenn ich euch Sachen verschweige, ist es oft, dass ich Angst habe, dass ihr mich verurteilt.

Wenn ich frage, was ihr genau da macht, ist das kein  In-Frage-stellen eures Könnens und eurer Erfahrung sondern einfach, weil ich wissen möchte, welche Maßnahmen ihr an mir oder meinem Angehörigen macht, einfach weil es mir wichtig ist.

Wenn ich euch unnötig alarmiert habe, bitte ich euch, dass ihr versteht, dass ich oft nicht weiter wusste, ob das, was ich habe normal ist oder ob es abgeklärt werden sollte. Ich wünsche mir, dass ihr versteht, dass ich den Notruf nicht ausnutzen möchte, sondern mir Sorgen um mich, meine Angehörigen oder den Mann auf der Straße mache.

 

 

Dies ist der erste Teil einer kleinen Serie, die verschiedene Seiten im Rettungs-und Gesundheitswesen beleuchtet und verschiedene Meinungen darstellt. Natürlich handelt es sich oft um ein Ideal, es gibt mit Sicherheit genug Leute, die einfach sehr unsoziale und unverschämte Menschen sind. Sowohl auf der einen Seite, als auch auf der anderen Seite. 

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