Ein Schritt

Da liegt er. Die Augen weit aufgerissen starrt er ins Leere. Wir können auch nichts mehr machen und stillschweigend erledigen wir die nötige Arbeit. EKG-Ableitung, kurze körperliche Untersuchung, Todesbescheinigung und Protokoll.
Während wir paar kurze Worte mit den netten Kollegen der Streife wechseln, fährt einige Straßen weiter ein Auto, in der Nähe hört man Kinder auf dem Spielplatz lachen, nichtsahnend.
Über uns rauschen Autos hinweg, die auf der Autobahn unterwegs sind.
Ich denke an die Familie und daran, wie sie reagieren werden, wenn sie heute diese schreckliche Nachricht erhalten werden.
Wenn die Verzweiflung so groß ist, genügt nur ein Schritt.

Advertisements

Für IHN macht es Sinn

Folgende Worte von Loren Eiseley haben einen tiefen Sinn. Viel mehr als die deutsche Übersetzung spricht mich die Originalversion an.
Die deutschen Worte können ganz einfach über Google („der Seestern Gedicht“) gefunden werden.

A young man was strolling along the beach.
Suddenly he caught view and compassionately saw through further than his eye or heart could reach.
Helpless starfish spewed upon the beach, endless scores washed upon the shore for the tide had receded.

 Now all were craving that helping hand so badly needed.
Multitudes snared and left behind unsaved upon that rugged shoreline.
What could the young man do, but go for the rescue.
No more out of sight, out of mind.
Not this time.
Without regret or remorse he passionately pursued what seemed right and good with him
Upon this obvious course to save as many as he could.
His will now resigned to save one at a time.

Meantime,
With a frustrated glance an old man watched from a distance in unbelief and ridicule censoring the young man and judging him a fool for he also took a stance.
The way of Cain.
The pathway of self-interest and self-gain that ignores another’s needs and pain.
Across the scorching sand he glared perplexed that this young man could possibly care.
He crossed the path of indifference and approached the young man and said
“Are you out of your head?
Why do you go, don’t you know there are continuous miles and countless, thousands of starfish innumerable on these endless coastlands?
Your dream is a waste and these lives mere throw aways.
It’s a crime to squander such valuable time. You’re alive!
Does it really matter if they survive?
Can’t you see they are not your responsibility. Return from this vanity back to reality.
Reset your priorities, it’s a futile mistake. It’s time to awake!
And though it doesn’t matter anyway, defend yourself for I need to know what’s your take?
What difference could you possibly make?”

Then the young man picked up a starfish and said
It makes a difference to this one!”
And cast it into the sea.

Was ist das? Kleine Medikamentenkunde (2)

Wie werden bestimmte Krankheitsbilder behandelt?
Diese Frage kann man eher allgemein beantworten und jedes Schema ganz spezifisch auf den einzelnen Fall anwenden.

Epileptische Anfälle: hier muss der Anfall durchbrochen werden, meist wird das Beruhigungsmittel Dormicum entweder über die Nase oder die Vene verabreicht. Bei Kindern ist eine rektale Verabreichung mittel der Wahl. Greift dies nicht, folgen weitere Stufen, auf die hier nicht näher eingegangen wird.

Knochenbrüche, Auskugelungen, Schmerzzustände: hier wird, ganz klar, ein Schmerzmittel benötigt.
Oft wird das Medikament Ketanest benutzt, das in Verbindung mit Dormicum eine schöne Analgosedierung (Schmerzbekämpfung und Beruhigung) macht. Sind die Schmerzen erträglich, wird oft das Novalgin als Infusion (sogenannte Kurzinfusion) verabreicht.
Zusätzlich stehen die Betäubungsmittel zur Verfügung, diese werden oft bei Knochenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen verabreicht.

Allergische Reaktionen: hier werden die allen bekannten Antiallergika, z.B. Fenistil, blockieren der Histaminrezeptoren, gegeben. Zusätzlich gibt es ein Kortison und als drittes Mittel steht Adrenalin zur Verfügung.
Mittlerweile geht man eher dazu über, primär das Adrenalin in den Muskel zu verabreichen (meist schon durch Ersthelfer/Patient selbst geschehen) oder/und es zu vernebeln.

Herzinfarkt: hier ist es wichtig, dass der Verschluss der Herzkranzgefäße schnellst möglich aufgelöst wird. Präklinisch kann diese Behandlung primär mit sogenannten Blutverdünnern geschehen. Da steht das allen bekannten Aspirin zur Verfügung. Zudem gibt es Heparin und eine Lyse, welche jedoch sehr selten angewandt wird.
Zusätzlich erhalten die Patienten manchmal, je nach Blutdruck, Nitro-Spray und je nach Sauerstoffsättigung Sauerstoff. Ganz wichtig ist hier auch das Betäubungsmittel Morphium, das die Schmerzen nimmt und auch die Angst bisschen vertreibt. Meistens benötigen die Patienten ein Anti-Spuck-Mittel, da Betäubungsmittel oft Übelkeit hervorrufen.
Je nach weiteren Vitalwerten wird der Puls entweder gesenkt (um das Herz zu schonen) oder erhöht, das gleiche gilt auch für den Blutdruck.

Unterzucker: es gibt wenige Notfälle, die mit Gabe eines Medikaments abgearbeitet sind. Ist jemand im Unterzucker, wird meist 8-16g 40% Glucose verabreicht und er klart, wenn ansonsten keine akuten Erkrankungen vorliegen, wie auf Knopfdruck auf.

Verkehrsunfälle: eine pauschale Angabe ist hier nicht möglich, aber meistens werden immer die gleichen Medikamente benötigt.
Oft brauchen die Patienten etwas gegen die Schmerzen, zusätzlich manchmal noch ein Beruhigungsmittel. Schwer verletzte Patienten sollten Sauerstoff erhalten und Infusionen.
Falls es notwendig ist, muss auch intubiert werden, dazu werden zum einen starke Schmerzmittel und zum anderen starke Schlafmittel benötigt. Zusätzlich gibt es ein Muskelrelaxanz, das die Muskulatur erschaffen lässt.
Bei starken Blutungen wird oft das Medikament Tranexamsäure gegeben.

Reanimation: liegt ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor, gibt es zwei verschiedene Ansätze. Zeigt das EKG eine Asystolie, also liegt keine Herztätigkeit vor, wird Adrenalin verabreicht. Liegt ein Kammerflimmern vor, wird zunächst mit einer Defibrillation gearbeitet und, wenn vergeblich, mit dem Medikament Cordarex.

Notwendiger Nachsatz: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Nennung der Medikamente bedeutet für mich keine Einnahmequelle noch stellt für irgendeine pharmazeutische Firma eine Werbung durch mich dar.
Das Lesen entbindet weder vor selbstständiger Recherche noch befähigt zur Selbstmedikation und eigenständiger Therapie ohne Konsultation eines geeigneten Arztes.
(Siehe dazu auch vorherigen Post.)

Was ist das? Kleine Medikamentenkunde (1)

Die meisten Medikamente im Rettungsdienst liegen in der i.v.- Version vor. Somit können die Medikamente, die benötigt werden, über einen Venenkatheter direkt im die Blutbahn eingeschwemmt werden und wirken schneller als z.B. oral eingenommene Medikamente wie Tabletten. Denn würde jemand bspw. Schmerzmittel benötigen, würde es sehr seine Geduld strapazieren, würde er warten müssen, bis die Tabletten anschlagen.
Zudem halten einige Rettungsdienst weitere Medikamente zusätzlich zu intravenösen Medikamente vor.
Hier möchte ich euch einige wichtige und oft verwendete Medikamente vorstellen.
Bewusst halte ich die Gruppen allgemein und werde nicht auf spezifische Klassifizierungen eingehen. Dieser Post soll nur einen Überblick über die gängigsten Medikamente geben.

Schmerzmittel: Novalgintropfen kennen die meisten, dieses Medikament wird auch als Ampulle bei Schmerzzuständen vorgehalten.
Zudem gibt es Medikamente wie Ketanest, Aspirin (das jedoch eher im anderen Zusammenhang verwendet wird) und die Betäubungsmittel.

Beruhigungsmittel: oft sind die Menschen aufgeregt, wenn sie im RTW behandelt werden. Andere brauchen gerade den RTW, weil sie aufgeregt, aggressiv sind und wiederum andere haben eine Grunderkrankung, die mithilfe dieser Beruhigungsmittel behandelt wird.
Als Beispiel: Dormicum (Midazolam), Diazepam (auch als Rektiole bei Kindern verwendbar), das nach meiner Meinung nach wunderbare Tavor (eines der wenigen Medikamente, welches auch als Tablette in vielen RTWs/NAWs vorgehalten wird).

Schlafmittel: hier sind Medikamente gemeint, die benutzt werden, um eine Narkose zu machen. Zusätzlich zu den Beruhigungsmittel, welche auch als Schlafmittel benutzt werden können, halten viele Rettungsdienste Propofol, die sogenannte „Jackson-Milch“ vor. Dieses Medikament und auch andere haben eine stark einschläfernde Wirkung und werden zur Narkoseeinleitung benutzt.

Kreislaufmittel: diese allgemeine Kategorie beinhaltet alle Medikamente, die auf eine Weise auf den Herz-Kreislauf wirken. Zuallererst soll der All-rounder Adrenalin genannt werden. Ganz klassisch bei Reanimationen verwendet, kommt er auch bei verschiedenen anderen Notfällen zum Einsatz.
Dann gibt es noch andere Medikamente, die ebenfalls den Puls steigern, andere wirken direkt herzkraftsteigernd und wiederum nächste, welche dafür sorgen, dass der Puls etwas langsamer wird: zum einen der Klassiker Metoprolol (blockiert Rezeptoren), aber auch das Mittel der Wahl bei einem Kammerflimmern, Cordarex (Amiodaron).
Zudem gibt es Medikamente, welche den Blutdruck senken, hier wird oft Urapidil/Ebrantil eingesetzt (und als off-lable-use das wahrscheinlich allen bekannten Nitro-Spray).
Zusätzlich gibt es noch die „ganz harten Kreislaufmittel“, da zählen die sogenannten Katecholamine dazu. Je nach Vorhaltung findet man im Rettungsdienst Arterenol oder Dopamin. Diese stark den Kreislauf unterstützende Medikamente werden meist über eine Spritzenpumpe verabreicht um eine genau Dosis einzustellen.

Anti-Spuck-Mittel: ganz wichtig, denn im RTW fahren die meisten Patienten rückwärts und vielen anderen wird dabei schlecht. Da greift das altbekannte Vomex ganz gut. Zudem halten manche auch Paspertin (MCP) oder Kevatril (Granisetron, wird oft in der Chemotherapie verabreicht) vor.

Infusion und Sauerstoff: die ersten Medikamente im Rettungsdienst. Oft hilft nur eine Infusion und der Blutdruck steigt schon ohne Kreislaufmittel leicht an.

Notwendiger Nachsatz: die Nennung der Medikamente stellt weder eine Einnahmequelle für mich dar noch dient sie als Werbung etwaiger pharmazeutischer Unternehmen.
Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und entbindet nicht vor selbstständiger Recherche und/oder persönlicher Konsultation eines geeigneten Arztes. Das Lesen der geschilderten Medikamentengruppen befähigt nicht zur Selbstmedikation und eigenständigen Therapie.

Ohne Worte

„Taxi? Was stellen Sie sich da vor, wissen Sie, wie teuer das ist?“

Wenn sie wüsste, dass ein Transport mit dem RTW ungefähr das 10-fache kostet und die Kosten selbst beglichen werden müssten, würde sie anders reden.

_____________

„Bekomme ich dann wieder eine Rechnung von der Krankenkasse?“

Wenn er wüsste, dass er nicht mal 10% der Kosten mit seinem Betrag abdeckt, würde er anders denken?