Willkommen!

V.a. Schwangerschaft

Interessante Formulierungen die ich zu lesen bekomme.
Entweder man ist schwanger oder nicht.
Wie dem auch sei, wir bekommen noch paar Informationen, die Dame ist schon über dem Termin und jetzt hat sie Wehen, wir sollen doch mal schauen.

Mein Kollege wird ein bisschen blass, ich kann seine Gedanken lesen. Aber das ändert nichts an der Sache und unterwegs gebe ich ihm einige Tips.

An der Einsatzsstelle angekommen nehmen wir unsere Geräte mit, ein wenig Zeug für die Geburt haben wir dabei (Nein, keine Saugglocke, keine Zange, kein Set für einen Dammschnitt und vor allem kein Globuli).
Während ich die Treppe hochsprinte höre ich Geräusche, die mir nicht so geheuer sind.
Schnell öffne ich die Tür und vor mir kniet eine ca 25-jährige Frau und stöhnt und schreit.
Innerhalb Sekunden habe ich die Situation erfasst: das sind keine Eröffnungswehen, die Blase ist gesprungen und so wie es aussieht ist es nicht das erste Kind.
Paar kurze Informationen brauche ich noch und bekomme sie zwischen zwei Wehen entgegengeatmet. Wehen seit ca. 5 Stunden, innerhalb der letzten 20 Minuten Presswehen, Abstand ungefähr 3 Minuten, Kind liegt in Schädellage, beim letzten Termin normalgroß geschätzt.

Der Schreck steht dem Kollegen ins Gesicht geschrieben, ich wecke ihn sanft aus der Erstarrung und sage, dass es darauf hinausläuft, dass wir gleich ein Kind zur Welt bringen. Er legt gerade die Abnabelung heraus und ich schlüpfe in sterile Handschuhe, als die Frau wieder einen lauten Schrei von sich gibt.
Ich schaffe es gerade noch etwas Dammschutz zu geben, als das Köpfchen schon rauskommt.
Ich spreche der Frau nochmal Mut zu und sage, sie hat es gleich geschafft, noch eine Wehe.
In diesem Moment schießt uns der restliche Körper entgegen und ich schaue in das süße Gesicht einer fitten, schreienden und rosigen Neugeborenen.
Mit feuchten, leicht betröppelten Augen schauen wir uns an.
„Ähm vielleicht holen wir uns mal einen Doc..??“

3 Gedanken zu “Willkommen!

  1. Wow, das ist ja wohl das Allergrößte. Bisher hatte ich als RS im Praktikum nur zweimal das Einsatzstichwort „drohende Geburt“, die Patientinnen haben wir aber immer noch rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft. Das wäre schon ein enormes Erlebnis, wenn es mal nicht mehr ginge. : )

    Was mich wundert, ist dass bei euch von vornherein kein NA dabei war. Der würde bei uns auf jeden Fall parallel alarmiert werden.

  2. Also ich würde mich über eine Geburt im Rettungsdienst freuen. Durfte das bisher noch nicht erleben. Ist eben doch eine besondere Situation und gerade für Männer seehhrr außergewöhnlich mitzuerleben.

    • Hallo ihr zwei, vielen Dank für eure Kommentare.
      Ich denke auch, dass Geburten eines der schönsten Dinge sind, die man in der Medizin erleben kann, auch wenn es anstrengend sein kann.

      Zu deiner Frage Oli, das hatte ich schon einige Male, dass man einfach „zum Schauen“ gerufen wird, oft ist es auch falscher Alarm oder es sind Eröffnungswehen oder oder oder.
      Aber da hast du Recht, an sich ist das eine Notarztindikation.
      Liebe Grüße.

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