Dienstgedanken (5)

Verschlafen stolper ich Richtung Auto. Der Ort sagt mir überhaupt nichts, was aber nichts zu sagen hat, denn in der Ecke bin ich sehr selten unterwegs.
Zum Glück haben wir Navis. Die grobe Richtung kennen wir, doch den Ort? Nie gehört.
Einige Sekunden später haben wir die Adresse. Da gehen sogar meine übermüdete Augen etwas weiter auf: „So weit!?“.
Was solls, fahren müssen wir und unterwegs schaue ich schnell nach, welches Krankenhaus das nächste ist. Ein Glück – unsere Stammklinik ist tatsächlich im engeren Kreis, ich habe auf jeden Fall ein Argument.

Wir sind angekommen. Der Patient erwartet uns schon. Alles halb so schlimm. Er muss ins Krankenhaus, das ist klar. Aber er hätte, wenn er selber gefahren wäre, schon längst in Behandlung sein können.
Dafür durfte er mal Rettungswagen fahren. Ist ja auch mal ein Erlebnis, oder?

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Dienstgedanken (4)

Die Hitze ist so anstrengend, da fühl ich mich tausend mal müder und geplätteter als nach einem Nachtdienst-Marathon.

Sogar im Krankenhaus läuft alles einen Gang langsamer, verstohlene Blicke auf die Uhr, seufzende Töne und gerötete Wangen sind zuhauf zu sehen und hören.
Das Gute ist jedoch, dass die Venen viel besser hervortreten.
Und auch dieser Tag geht vorbei.

Vierzig Grad

05:20 Uhr: ich wache auf, im Zimmer ist es sehr heiß. Einmal noch die Fenster weit auf, bevor ich die Rollos runterlasse um die Hitze auszusperren.

06:00 Uhr: es ist noch so früh und das Thermometer zeigt schon 22 Grad an, das kann ja heiter werden.

06:45 Uhr: ich will gar nicht aus meinen Sachen raus, die Dienstkleidung ist so schweißtreibend!!

08:00 Uhr: Auto ist gecheckt, Medikamente passen. Was wir nicht brauchen, sind Decken. Dafür mal 2 Infusion mehr aufs Auto.
Temperaturvergleich: 24 Grad

09:15 Uhr: erstmal einige Flaschen Wasser gekauft. Nicht dass ich nachher mit einer Infusion herum laufe. Die Temperatur beträgt jetzt 25 Grad. Gefühlt sind wir aber bei 30 oder so.

10:43 Uhr: einen Einsatz haben wir schon hinter uns. Wenn man normal geht, ist das alles kein Problem. Muss man bisschen mehr machen, läuft das Wasser!
Jetzt sind es rund 32 Grad, sagt das RTW-Thermometer

12:45 Uhr: zwei Liter Wasser sind schon weg. Ob die Bevölkerung auch soviel trinkt? Wärmevergleich? 35 Grad ist jetzt.

14:00 Uhr: manche versuchen sich sowenig wie möglich zu bewegen. Andere fahren mit dem Rad oder wandern. Find ich beeindruckend. Zum Glück ist mein Lieblingsinternist heute da.
Es wird immer wärmer.

15:10 Uhr: alles rollt, was rollen kann und fleißig beliefern wir die Klinik. Die Klima hat schwer zu arbeiten. 3,0 Liter sind jetzt sicher schon weg.
Thermometer zeigt stolze 37 Grad an. Oder noch mehr.

16:00 Uhr: ein Eis tut immer gut. Etwas Zeit zum durchatmen auf der Wache. Zweites Shirt holen.

17:10 Uhr: im Badesee hängt ein Thermometer. Knapp 40 Grad zeigts an, sagt der Patient. Obs stimmt, weiß ich nich, gefühlt ist es aber mindestens 45 Grad. Er wird in den schön aufgewärmten RTW verfrachtet. Langsam kühlt die Klima runter.

18:17 Uhr: jetzt ist Schluss mit lustig. Langsam bekomme ich Kopfweh. 3,5 Liter Flüssigkeit sind auch schon wieder draußen.
Hoffentlich ist bald Feierabend.

18:40 Uhr: Ablösung ist da, super! Melder wird übergeben. Alles paletti, Auto läuft. Jetzt müssten so um die 36 Grad sein, denke ich.

19:00 Uhr: rein ins Auto, Klimaanlage hochdrehen. Den heißesten Tag habe ich überstanden. Mit 4-5 Litern Flüssigkeit 🙂

Next!

Heute ist wieder so ein Tag.
Irgendwie läuft alles anders. Nicht schief, aber anders.
Es sind nur Kleinigkeiten. Hier ein verpatzter Zugang, dort eine verdreckte Trage.
Das Pflegepersonal ist im Stress, die Ärzte haben keine Lust.
Und das Auto ist dreckig.
Ich versuche, alles auszublenden und mich damit abzufinden. Doch innerlich freue ich mich nur auf eines.
Ins Bett zu gehen, die Decke über den Kopf zu ziehen und die Augen zu schließen.
Und einfach auf den nächsten Tag zu warten.
Der wird besser.

Dienstgedanken (2)

* Warum hilft der Pfleger nach Dienstschluss, während seine Kollegin uns während ihrer Arbeitszeit ignoriert.

* Wenn wir kommen fragen die Menschen, warum sie ins Krankenhaus müssen.

* Warum lässt der Arzt einen schwerkranken Menschen nach Hause und weist den anderen mit Blaulicht ein?

* Warum herrscht ein ewiger Macht-und Konkurrenzkampf zwischen Rettungsdienst und Pflege. Wir sind doch ein Team.

Ritual

Ich mag Nachtdienste, ich glaube das lässt sich aus dem einen und anderen Post herauslesen.

Es gibt da so ein Ritual, das ich ab und zu im Nachtdienst mache, nicht jedes mal, nur dann und wann.

Wenn ich den Patienten wohlbehalten in der Aufnahme übergeben und den Papierkram erledigt habe, gehe ich die stillen Treppen und dunkle Fluren Richtung Wagenhalle.
Unterwegs lege ich einen Halt in einer der vielen Ambulanzen ein.

Dort setzte ich mich auf einen der leeren Stühle die vor paar Stunden noch besetzt waren.
Ich trinke ein wenig, manchmal lese ich eine Kinderzeitschrift (das Leben ist schon erwachsen genug) und genieße die Ruhe.

Der Stress kommt von ganz alleine.

Es kommt drauf an, auf welcher Seite man steht

Leise schließen sich die Türen hinter mir. Ich trete in die Wagenhalle ein und stehe vor dem Auto.
In Gedanken bin ich noch bei dem Patienten, den wir gerade ins Krankenhaus gebracht haben.
In der Aufnahme hat mir die Ärztin zudem von einer anderen Patientin erzählt, die ich vor einiger Zeit brachte.
Sie hat ihre schwere Erkrankung halbwegs überstanden und befindet sich in einer Reha.
Der jetzige Patient ist so krank, dass es kaum Hoffnung hat für ihn.

Während ich so dastehe und die die Tür, die sich immer wieder öffnet und schließt, anschaue, bin ich froh, dass ich herausgehen kann und nicht hinein muss.

Alles Kleinigkeiten

Der Schichtdienst ist eigentlich schon toll.

Man kann tagsüber schlafen, die andern müssen zur Arbeit (haha!). Abends ist es ruhiger, man muss nicht soviele Aufgaben erledigen.
Wenn man am Sonntag arbeitet, bekommt man Zuschläge. Und zudem hat man mal am Mittwoch Sonntag.
Durch das unregelmäßige Schlafen kommt der Tag-Nacht-Rhythmus bisschen aus dem Takt.
„Was war heut für ein Tag?“
Dafür hat man manchmal (gefühlt jedenfalls) zwei Tage in einem und ist wiederum ganz verwundert, dass erst Montag ist (und freut sich, dass man mehr Zeit zum Leben hat).

Wenn man dann feststellt, dass die Freunde einen noch kennen, die Familie noch weiß wie man aussieht und Kinder nicht verwundert schauen, wenn man sie in den Arm nimmt, findet man das alles gar nicht mehr so schlimm.
Eigentlich ist Schichtdienst okay.

Man darf sich nur nicht über Kleinigkeiten aufregen.

Übrigens: der Beitrag entstand um 02:15 Uhr. Mein Schlafrhythmus hat sich nach einem Nachtdienst-Marathon noch nicht umgestellt 🙂

Erkenntnisse (1)

Ich fahre zur Arbeit. Unterwegs wundere ich mich sehr, dass so wenig los ist auf den Straßen.
Da fährt kaum ein Auto, keine LKWs oder sonstiges.

Da fällt mir ein. Heute ist ja Feiertag.
Und ich muss arbeiten.

Dafür habe ich dienstags mal frei. Schade, dass da alle arbeiten.

Anmerkung:
Ich mag meinen Job, doch manchmal sind die Arbeitszeiten nicht sozialverträglich.