Der Sonne entgegen

Ich sitze im Auto, eine harte Schicht liegt hinter mir. Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf.

„Wird er es schaffen?“

„Hätten wir vielleicht doch den Notarzt dazuholen sollen?“

„Das andere Klinikum hätte wahrscheinlich eine besser Versorgung gewährleisten können.“

„Was ist nur mit dem Kollegen los?“

Fragen über Fragen, Wortfetzen und Gedanken wirbeln herum, während ich das Auto starte, die Heizung hochdrehe und losfahre. Es ist ein gutes Gefühl nach Hause zu fahren. Es ist schön zu wissen, man hat Feierabend und alle anderen gehen nun zur Arbeit. Es sieht gut aus, dass deine Spur fast frei ist.

Während ich fahre, kommt mein Geist zur Ruhe, die Fragen verstummen. Ich lasse die Arbeit hinter mir. Ich fahre in den Feierabend – am frühen Morgen.

Ich fahre der Sonne entgegen.

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Kleinigkeiten

Es sind kleine Dinge, die eine große Wirkung haben.

* „Es tut kurz weh, dann ist es auch vorbei“

* „Hallo mein Name ist Supra und wie heißen Sie?“

* Ein kurzer Händedruck, ein Druck auf die Schulter.

* „Es wackelt kurz, passiert nichts.“

* „Sie sind gut angeschnallt, sie fallen nicht.“

* „Ich spritze Ihnen was, es wird bisschen brennen.“

* „Wir sind in paar Minuten da, dann laufen folgende Untersuchung..“

Worte, die einen nicht viel kosten, einem aber das Gefühl geben, wichtig zu sein, nicht eine Nummer, sondern ein Mensch. Worte, die die Angst nehmen können.

Augenblick

Stress hier und Belastung da. Der Pfleger rennt von einem Patienten zum andern, der Arzt versucht jedem Patienten getrecht zu werden und trotzdem eine schnelle Abarbeitung zu gewährleisten. Das Bettenmanagement läuft gehetzt in die Notaufnahme und macht der Frustation Luft, die Sekräterin weiß schon gar nicht mehr wo in dem Stapel der wichtige Befund nochmal ist. Der Rettungsassistent schiebt einen Patienten hinein, der schwer atmend auf der Trage liegt und der Notarzt bringt gerade ein Kind, das vom Klettergerüst gefallen ist.
Überall ist Hektik, vielleicht laute und unfreundliche Worte. Traurige Blicke und wütende Gesichter.
Da trifft mich ein Blick und instinktiv fange ich an zu lächeln.
Ich sehe in dem Gesicht ein Strahlen, einen neu gefunden Mut und ich merke, dass ich einem Menschen gerade den Tag gerettet habe.

Niemand hat ein Lächeln nötiger als der, der gerade nicht lächelt.

Nachtgedanken.

Die Nächte sind ziemlich anstrengend. Von einem Einsatz zum nächsten zu fahren ist Standard. Kaum sind wir einsatzklar heißt es: „Könntet ihr noch….?“

Doch trotzdem haben Nachtdienste eine eigenartige Faszination. Es ist ruhig, die Stille ist so angenehm wie ein kühlender Sommerregen nach einem heißen Tag.
Nachts sieht die Welt ganz anders aus, die Zeit scheint stillzustehen.

Wir haben Zeit miteinander zu reden, das Ambulanzpersonal kann sich mit uns unterhalten ohne dauernd in die Behandlungsräume zu müssen.

Die Nächte strahlen Frieden aus, Geborgenheit trotz Dunkelheit, Ruhe trotz dramatischer Notfälle, Freundlichkeit in steril-kalter Umgebung.