Sachen gibts

Manche fragen: warum ist am Ende des Geldes soviel Monat übrig?
Ich denke: warum ist am Ende der Stunden noch soviel Monat übrig?
🙂

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Lichtermeer

Ich habe Nachtdienst und wir müssen eine Einweisung fahren. Seit ein paar Wochen ist jeder Ort, jedes Haus mit hellen Lichtern, leuchtenden Sternen und strahlenden Weihnachtsbäumen geschmückt. Wenn die Sonne untergeht und die Dunkelheit sich über die Stadt senkt, sieht man, wie hell erleuchtet die Straßen sind.

Wenn es jetzt in den Wintermonaten schnell dunkel wird, freut man sich über jedes Licht und ich wünsche mir sehr, dass in den Herzen der Menschen, die in Dunkelheit leben, das Licht der wahren Weihnacht einzieht.

Und während ich durch die Straße fahre, sind meine Gedanken bei denen, die ein trauriges Weihnachtsfest haben, die sich nicht mehr freuen können und sich sehnlichst wünschen, sie sähen kein Licht. Denn auf die einzige Kerze die sich in diesem Jahr ins Gedächtnis brennen wird, könnten sie verzichten. Das Licht auf dem Grab eines geliebten Menschen.

Hilflos

Dieser Sommer war ziemlich heiß, manchmal hatten wir nicht wirklich Lust aus dem klimatisierten Auto herauszigehen und gegen die heiße Wand zu prallen. Doch uns bleibt nichts anders übrig und eigentlich ist das nicht so schlimm. Wir haben doch alle unsere 2-Liter-Volvic-Flaschen eingepackt und in den Kliniken holen wir uns an den Wasserspendern immer mal einen Becher.
Doch dann denke ich an die vielen Leute, die nicht ihr Volvicwasser oder kaltes-Waserspender-Wasser haben. Die darauf angewiesen sind, dass andere ihnen etwas zu trinken geben, die genauso wie wir unter der Hitze leiden.
Diese Gedanken werden zur Wirklichkeit, als wir ein Säugling dehydriert in die Kinderklinik bringen. Nicht, weil es Durchfall hat oder erbricht.
Die Mutter hat es einfach nicht genügend gestillt.

Freud und Leid

Als ich noch in der Ausbildung war, hatte ich die Gelegenheit einige Geburten zu sehen und konnte sogar einige Parallelen zwischen dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe ziehen.

Was mir besonders wichtig geworden ist…

Im Rettungsdienst ist man oft von schwerkranken Menschen umgeben, das Leid ist so präsent und selbst wenn wir in vielen Situationen eine Besserung oder Linderung herbeiführen können, ist das doch ein erkrankter Mensch, der in das Krankenhaus gebracht werden muss.

In der Geburtshilfe jedoch habe ich einen wirklich extremen Gegensatz gemerkt. Und es tat gut, mal gesunden Menschen zu helfen, nicht immer von soviel Leid umgeben zu sein und die Erfahrung zu machen, dass Glück so klein und doch so groß sein kann.

Und es ist mir auch neu wichtig, dass das Leben ein Geben und Nehmen ist…

Das ist der Kreis(ß) des Lebens.

Alle wussten es…

Ich hole das 15-jährige Mädel von der Intensivstation ab, nachdem mir mein Kollege einige Informationen gab, die ich nicht wirklich einorden kann. Vorher erhalte ich eine kurze Übergabe dem Oberärzt, die mir den Grund erklärt, warum das Mädchen in die Psychatrie kommen muss. Einige Sachen sind mir nicht ganz schlüssig, aber sie werden sich sicherlich während der Fahrt regeln. Das Mädchen wirkt ziemlich gelassen, ruhig und erwachsen. Sie versteht nicht wirklich, weshalb sie in eine geschlossene Klinik muss, aber sie ist sich sicher, dass es sich klären wird. Unterwegs unterhalten wir uns über ihren Aufenthalt im Krankenhaus, ihre Haustiere und den Einweisungsgrund.

Stille Freude leuchtet auf, als sie von ihrem geliebten Zwillingsbruder und der besten Freundin erzählt und ich kann sie gut verstehen und wir unterhalten uns über Geschwister und Freunde.

In der Geschlossenen angekommen finde ich kurz Zeit, die Überweisungspapiere zu studieren und mir fällt ein Satz ins Auge: Die Patientin weiß nicht Bescheid. Langsam nehmen die verworrenen Informationen in meinem Kopf Gestalt an und ich lese fassungslos einige kurze Sätze.

Nach der Übergabe im Stationszimmer gebe ich explizite Informationen weiter. Erstaunt schaut mich der Pfleger an und fragt: „Wirklich?“

Wir verabschieden uns von der Kleinen und ich denke darüber, was die nächsten Stunden ihr bringen wird und vorallem wie sie mit der Nachricht umgehen wird, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Die Nachricht, die allen ihn ihrem Umfeld bekannt war – außer ihr.

Mit der Nachricht, dass ihre beste Freundin gestorben ist.

Alle haben es gewusst. Doch keiner wollte es ihr sagen.