Altbekannt

„Straße sagt euch was? Polizei kommt auch.“
Klar. Die Straße ist allen bekannt. Denn dort hält sich einer dieser OFW auf. Aufhalten, nicht leben, denn er hat keinen festen Wohnort.
Wir waren schon so oft bei ihm.
Kennengelernt habe ich ihn vor einigen Jahren. Damals war er noch etwas jünger, gesünder, sauberer, angezogener, nüchterner.
Damals hatte es den Anschein, als würde er doch eines Tages die Kurve bekommen.
Auf der Fahrt denke ich über die letzten Einsätze mit ihm nach.
Ganz oft, ist ja klar, hat er ein Alkoholproblem. Entweder zuviel oder zu wenig.
Das andere mal sind Drogen im Spiel.
Wieder ein ander mal treffen wir ihn blutend an. Er ist hingefallen
Das nächste Mal hat er eine Temperatur von 34 Grad.
Dann wurde er zusammen geschlagen.
Oder er hat einen Krampfanfall.
Ab und zu hat er starke Schmerzen, die Leber macht sich bemerkbar.
Manchmal will er nur mit, weil ihm kalt ist, er nichts zu essen hat und er einfach ins Krankenhaus möchte.
Und wie oft, ich kann es kaum zählen, fuhren wir ihn, weil er jetzt endlich einen Entzug machen will.

Was wird es diesmal sein? Ich werfe einen fragenden Blick auf meinen Kollegen, welcher mit den Schultern zuckt.
„Wird wieder das Gleiche sein…“

Wir sind angekommen, die Streife steht auch schon mit blitzenden Lichtern da und die Kollegen schauen uns hilflos entgegen:
„Der ist irgendwie komisch…“
Schnell sind wir da, ich brauche nur einen Moment:
„Jungs, der ist nicht komisch. Der ist tot.“

Mit diesen Worten drehe ich mich um und gehe zurück zum Auto.

Und ich dachte…

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Was ist das? Fahrzeuge und Beförderungsmittel

RTW: Ein Rettungswagen ist das „große“ Auto im Rettungsdienst, das (meistens) die Notfälle fährt. Der Transportführer muss mindestens Rettungsassistent (im Moment noch) sein, die Qualifikation des Fahrers ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

KTW: Der Krankentransportwagen fährt z.B. Einweisungen, Entlassungen, Behandlungsfahrten usw. Das Fahrzeug ist nicht dazu ausgelegt, Notfälle zu fahren (im äußersten Falle, wenn keine Fahrzeuge verfügbar ist, kann es jedoch trotzdem zu einen Notfall als eine Art Vorhut oder First Responder geschickt werden). Der Transportführer muss mindestens Rettungssanitäter sein (jedoch kann es auch hier regionale Unterschiede geben), die Qualifikation des Fahres ist auch in jedem Bundesland unterschiedlich.

NEF: Das Notarzteinsatzfahrzeug ist mit (meistens) Rettungsassistent als Fahrer besetzt, der den Notarzt zum Einsatzort zubringt (Roundez-Vous-System). Es hat (je nach Region) auch alle Geräte und Medikamente wie der RTW (meist einige bestimmte Dinge, z.B. BTM, etc. zusätzlich), kann jedoch keine Patienten transportieren.

NAW: Ein Notarztwagen ist ein arztbesetzer RTW. Entweder ist der RTW immer in NAW (d.h. es fährt jedesmal der Notarzt mit, da kein Roundez-vous-System vorgehalten wird) oder der RTW wird zum NAW, weil der Notarzt vom NEF dazusteigt oder ein Notarztbegleitung bei einer Verlegung von Nöten ist.

RTH: Ein Rettungshubschrauber ist das fliegende NEF, das auch Patienten transportiert, also im Endeffekt ein fliegender NAW. RTHs sind mit Notarzt, Flugrettungsassistent (HEMS) und mindestens einem Piloten besetzt. Bei z.B. Nachtflügen wird ein zweiter für die Navigation etc. benötigt. RTHs fliegen sowohl Primäreinsätze (Notfälle) als auch Sekundäreinsätze (Verlegungen).

Was ist das?

„Was heißt eigentlich…?“
„… Was bist du nochmal? Sanitäter?“
„Krankenwagen! Der wars!“

Es gibt viele Dinge, die man dann und wann hört, aber dann schnell vergisst und nachher nicht weiß, wie es genau war.
Andere kennt man überhaupt nicht und fragt sich vielleicht beim lesen: „was ist jetzt gemeint? Ich verstehe nur Bahnhof.“

Aus diesem Grund habe ich eine neue Kategorie eröffnet:

Was ist das?

In dieser Kategorie veröffentliche ich (un-)regelmäßigen Abständen Posts, welche verschiedene Bereiche im Rettungsdienst näher erklären, seien es Informationen über Autos oder Ausbildung oder Erklärungen einiger Fachbegriffe.

Wenn ihr selber Fragen habt, bitte ich um Rückmeldung.
Ich werde mich bemühen, eure Wünsche in die neue Kategorie einzubeziehen.

Die zwei Konstanten

Der Patient auf meiner Trage starrt ins Leere.
Er sieht nicht die weißen Wände und auch nicht die Infusionflasche, deren Flüssigkeit in die Vene an seiner Ellenbeuge tropft. Er hört nicht das Piepsen der Überwachungseinheit und spürt das Blutdruckmessgerät nicht.
Seine Gedanken schweifen irgendwo in der Luft, seine Lippen bleiben stumm.
Vor mir liegt das Protokoll, ich trage in kurzen Abständen die Vitalwerte ein, drehe die Flüssigkeitsrate höher und gebe etwas Sauerstoff.
Er will nicht reden, er will nicht schauen, er ist in seinen Gedanken gefangen, einer Abwärtsspirale, an der er niemanden teilhaben lässt.
Ab und zu drücke ich ihm kurz die Hand und sehe ein kurzes Zucken seiner Augenlieder.
Das ist das einzige Zugeständnis, das ich von ihm erhalte.
Inzwischen sind wir im Klinikum angekommen.
Ich übergebe den Patienten an die diensthabende Pfleger und Ärzte, wohlwissend, dass er in einigen Stunden ein ruhiges Zimmer in der Palliativstation erhalten wird.

Die bedrückende Atmosphäre begleitet mich den ganzen Tag und erst als ich abends das Baby in den Arm nehme, fällt die Anspannung ab.
Neu und Alt, leben und sterben, all das liegt nebeneinander.
Ohne das eine gibt es das andere nicht und so schön wie das eine auch sein mag so traurig erscheint oft das andere.