Jeden Tag das selbe Lied

„Ach, du bist es…“
Das gleiche kann ich ihm auch sagen, als wir uns zwischen Tür und Angel begegnen.

Er hat eine weiße Hose an, der blaue Kittel sieht verknittert aus und das Gesicht ist müde.
Meine Schuhe sind dreckig und auf meinem Polo-Shirt sieht man paar Blutspritzer.

Wir haben gerade eine schwer verletzte Patientin gebracht, Schockraum und so.

Da haben wir uns gesehen, nur kurz zwischen zwei Räumen.
Wir sehen uns fast jede Schicht, er ist immer da, wenn ich arbeite, ich arbeite immer, wenn er Dienst hat.

Er ist so selten daheim, seine Familie kennt das schon, ich arbeite auch so oft, dass es immer die selben sind, die ich sehe.

Da zwischen Tür und Angel wechseln wir einige Worte:
„Du bist auch immer da…“
„Stressige Schichten irgendwie…“

Kurze Worte, müdes Lächeln.
Doch nach diesen Gespräch scheint der Dienstalltag viel farbenfroher.

Gut, dass man solche Freu(n)de(n)hat.

Advertisements

Priorität

„Aber der hat doch eine Wunde am Bein… Die muss sicher genäht werden.“

Die Neurologin schaut mich mit fragenden Augen an.
Klar, denke ich. Muss schon.
Doch der Patient hat gerade ein anderes Problem.
Nämlich seinen massiven Schlaganfall.

Aber klar.
Das ist so ähnlich, wie wenn ein Chirurg einem Patienten, der reanimationspflichtig ist, seine OSG-Fraktur operieren möchte.

Ich glaube, da gibt es ein ähnliches Video. Hätte nie gedacht, dass sowas wirklich wahr sein kann.

 

Edit: Look here

Erkenntnisse (3)

Die Patientin liegt in meinem Auto. Es ist alles nicht so schlimm, doch sie muss ziemlich bald behandelt werden.

Wir unterhalten uns, ich frage sie nach der Familie, ihrer Arbeit und dem Beruf.
Sie erzählt mir von ihrem Job und dass sie jeden Tag ziemlich früh aufstehen muss, da sie pendelt. Durch diese lange Fahrstrecke kommt sie abends auch später heim und hat somit einen ca 12-Stunden-Tag, ab und zu muss sie auch samstags für paar Stunden zur Arbeit.

In einer Pause drücke ich ihr gegenüber mein Mitleid aus, dass sie so lange fahren muss, einen so langen Arbeitstag hat und somit kaum was von dem Tag und der Familie hat.

Den Satz habe ich noch nicht mal zu Ende gesagt, als ein Gedanke in meinen Kopf aufblitzt, nur ganz kurz, doch er setzt sich fest.
Mein Arbeitstag ist auch lange und durch das Fahren bin ich jeden Tag ca 13-14 Stunden auf Arbeit. Oft mache ich Überstunden, an Wochenenden arbeite ich und meine Familie sieht mich selten.
Nur ganz kurz kam der Gedanke, aber er gab mir zu denken.
Erinnerte mich an Anna.

So ist es gut

Heute bin ich mal wieder mit einem wichtigen Auftrag beschäftigt.
Ich bin dabei, Leben zu retten. Oder so ähnlich.
Denn oft fahren wir „Hausarztfahrten“, ungeduldige Mitbürger und so weiter.

Es ist später Nachmittag. Da geht der Melder, es geht zu einem Notfall.

Am Einsatzort angekommen arbeiten wir unsere Basics ab und der Doc möchte einen Zugang legen.
Ich reiche ihm die benötigte Utensilien und spicke ihm über die Schulter auf die Venen hin.
„Was willst du denn? 20 oder 18G (Größen der Venenverweilkanülen)?“

Lächelnd schaut er mich an: „Was haben wir denn noch alles so im Angebot?“

Dr. 14G wie er leibt und lebt.
Mit ihm macht das Arbeiten wirklich immer Freude.

Nur ein Gedanke

Wir haben oft mit Menschen zu tun, die nicht der deutschen Sprache mächtig sind.
Oft kommt dazu, dass sie außer ihrer Muttersprache keine weitere können.
Ich selber beherrsche mehrere Sprachen und konnte sie oft anwenden, aber dass ich z.B. tibetisch kann ist vielleicht doch etwas zu viel verlangt.

Wir sind wieder mal bei einer Patientin, mit der wir leider nicht richtig kommunizieren können.
Meine Kollegin fragt in die Runde, ob jemand übersetzten kann und siehe da, es findet sich eine Dame.
Zwar kann sie nur gebrochenes Deutsch, aber sie versteht uns gut.

Ich erkläre der Dame, dass ich ihre Freundin/Verwandte/Bekannte/Mitbewohnerin untersuchen möchte und bitte, es ihr zu vermitteln.

Die Dame hört mir aufmerksam zu, nickt verständnisvoll und….geht wieder zur Seite.

Ich denke nur: hä?

Wahrscheinlich muss ich noch ein wenig an der Kommunikation arbeiten.

🙂