Anders als gedacht

Es handelt sich um eine Überweisung in eine andere Klinik. Das Wald-und Wiesenkrankenhaus kann zwar viel, aber doch nicht alles, da soll wohl die Uniklinik weiterhelfen, denken wir.
Auf der chirurgischen Station geht uns die Schwester entgegen und erklärt uns die Geschichte. Der Patient hat schon länger Rheuma und bis jetzt hat er das ganz gut geschafft im Alltag. Doch vor paar Tagen kam er mit einer Entzündung im Darm ins Haus. Bei den Untersuchungen wurden noch paar andere Sachen festgestellt, der Rheumatologe ist ein super Arzt, doch diese Entzündung wächst ihm über den Kopf, er befürchtet zudem noch, dass der Patient zudem nicht eine „Begleiterscheinung“ des Rheumas hat sondern dass noch eine ganz andere Erkrankung eine Rolle spielen könnte.

Wir gehen ins Zimmer und übernehmen den Patienten. Eigentlich müsste uns schon die Zielklink, der Name oder sonst was stutzig machen.
Elisabeth ist nicht eine 60-jährige Rheumatikerin, auch nicht die liebe Großmutter von nebenan, sondern eine kleine, sportliche 13-jährige, die wahrscheinlich mit einer weiteren Diagnose fertig werden muss.

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Fahrt ins Ungewisse

Wir werden eine Fahrt machen. Für mich ist das eine von vielen, eigentlich Standard, ich weiß, was zu tun ist. Doch hinter jedem Einsatz verbirgt sich eine persönliche Geschichte.

Für ihn ist es die erste Fahrt. Er arbeitet nicht nach Standards, er weiß nicht, was er machen soll, ist darauf angewiesen, dass andere ihm sagen, wie er sich drehen soll oder was er festhalten muss. Oder vielleicht merkt er davon gar nichts mehr, vielleicht ist er intubiert beatmet im Intensivbett und wartet auf die Reise, die er nun antreten muss.
Vielleicht hat er es sich nicht ausgesucht. Daheim sind seine Frau und die beiden Kinder und seine alte Mutter, die nicht versteht, warum er ins Krankenhaus muss.

Wir übernehmen den Patienten und beginnen unsere Fahrt. Für uns eine Überweisung von vielen. Vielleicht. Oder ein persönliches Schicksal, das uns stille werden lässt, wie dankbar wir sein können, dass wir noch gesund sind.

Es ist keine Selbstverständlichkeit.

Einsatzmeldungen

Es gibt Einsatzmeldungen, die man oft liest, die einen zwar auf der Anfahrt über die Ablauf nachdenken lassen, aber nicht Adrenalin ausschütten.

Manchmal liest man Umschreibungen des Geschehen, nicht genau den Grund der Alarmierung. Z.B. könnte das Stichwort „Schmerzen in der Brust und Atemnot“ auf einen Akuten Myocardinfarkt hindeuten.. Oder auf eine Lungenentzündung.

Eine Einsatzmeldung kommt nicht so oft und sie lässt auf Anfahrt das Herz höher schlagen, den Kopf hellwach sein. Denn nicht selten werden ganz andere Hinweise gegeben, die nicht konkret auf das Problem hinweisen. Man liest vielleicht was von „bewusstlose Person“, „akute Atemnot“, „Frau synkopiert“. Aber selten die Worte:
„(Verdacht auf) Reanimation)“.
Diese Worte sind in ihrer Einfachheit so klar, so einschneidend. Und leider viel zu oft trotzdem erfolglos.