Die letzte Fahrt

Die Straße ist neu. Nicht komplett neu, aber sie ist vergrößert worden, außerdem wurde sie neu asphaltiert und auch die Markierungen fehlen nicht mehr. Es handelt sich hierbei um diese klassischen Dorfverbindungswege, die oft nur so schmal sind, dass man nur vorbei kommt, wenn beide Autos ganz rechts fahren. Diese Straße wurde nun endlich saniert und strahlt nun in ihrem neuen Glanz.

Er fährt nach der Arbeit nach Hause. Es ist nicht seine übliche Strecke, doch seit dem Tag ist ihm das egal. Seit diesem Tag fährt er abends immer die gleiche Strecke heim. Er fährt Richtung Westen, damals fuhren sie Richtung Osten. Im Sommer wartet er oft, bis die Sonne tief steht, genauso tief wie damals als sie im Osten erst aufgegangen ist. Jeden einzelnen Tag zieht es ihn da hin.

Er fährt die Straße entlang. Damals war es so ein Gemeindeverbindungsweg. Die Felder und Kurven lassen auch heute keine einwandfreie Sicht zu, aber immerhin muss sich niemand mehr Sorgen machen, dass er jemanden nicht rechtzeitig sieht. Damals war das anders. Die Kurven sind die gleichen geblieben. Während er diese Straße entlang fährt, steigt die alt bekannte Bitterkeit hoch…. Hätten sie schon damals….

Mittlerweile kennt er jede Kurve, jedes Feld. Noch zwei Kurven und dann kommt die kleine Abzweigung zum Bauernhof. Unmittelbar nach dieser Abzweigung war es. Krampfhaft hält er die Augen geöffnet, er weigert sich, noch mehr Tränen zu vergießen. Jetzt kommt die Kurve, an der sein Leben jäh anderes wurde. Es gibt kein Kreuz, das auf diesen schlimmen Tag hinweist, nur ein kleiner Strauß Blumen liegt unter dem 3. Baum rechts. Während er mit zusammengebissenen Zähnen vorbei fährt, stürmen die Bilder auf ihn ein.

Er fuhr ihr hinterher, sie wollten das Auto zum Händler bringen. Endlich hatte sie sich durchgerungen, ein neues und sicheres Auto zu kaufen. Die Sonne ging gerade auf und blendete sie mit ihrem gleißenden Licht. In dieser Kurve, die so eng ist, dass man eigentlich mit reduzierter Geschwindigkeit fahren sollte, kam ihr der andere Autofahrer entgegen. Sie prallten aufeinander, er in seinem Auto konnte nur noch schreien und dann habe war es vorbei.

Tieftraurig fährt er an dieser Stelle vorbei. Immer wieder fragt er sich, wie lange es dauert, bis er den Schmerz überwunden hat. Und obwohl er sich schon tausend Mal mit der Frage befasst hat und eigentlich die Antwort schon weiß, flüstert er verzweifelt in den untergehenden Feuerball schauend: Warum? 

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Der Narr

Es lebte mal ein König, der einen Hofnarren hatte. Im ganzen Land war kein einziger, der so war wie er. 

Eines Tages schenkte der König ihm einen Stab und sagte ihm: „Diesen Stab gebe ich dir, weil du der größte Narr bist und es deinesgleichen keinen anderen gibt. Du darfst den Stab nicht verkaufen noch verschenken. Findest du aber einen Menschen, der ein größerer Narr ist als du, musst du ihm den Stab übergeben.“

Lange Zeit später kam die Nachricht, dass der König auf dem Sterbelager läge. Der Narr kam in sein Zimmer: „ich habe gehört, du machst dich auf die Reise?“ Betrübt antwortete der König: „Ja, ich habe keine andere Wahl, ich muss gehen.“ Der Narr zeigte sich bestürzt darüber, dass es einen höheren Herrscher als seinen König gibt und fragte weiter: „aber du kommst zurück?“ „Nein“, erwiderte der König. „Nicht? Dann hast du dich sicherlich sehr gut darauf vorbereitet?“ Als der König das verneinte, schob er schnell hinterher: „bestimmt hast du es erst jetzt erfahren, dass du die Reise ohne Wiederkehr antreten musst.“ Der König schüttelte nur verzweifelt den Kopf. Der Narr schaut ihn mit traurigen Auge an. Leise legt er den Stab auf des Königs Bett und spricht: „Du wusstest, dass du eine Reise antreten wirst, von der du nie zurückkommen wirst und hast keinerlei Vorkehrungen dafür getroffen. Du bist der größte Narr, den es gibt.“ Und langsam verlässt er das Zimmer..



Der Mann, der in meinem Auto liegt ist noch sehr jung. So jung, dass er mein älterer Bruder sein könnte und so jung, dass wir uns eigentlich duzen sollten. Ich bewahre aber die professionelle Distanz und erkläre ihm nun das weitere Prozedere. 

Nach paar Minuten ist Stille im Auto. Ich weiß, dass ich noch ungefähr 10 Minuten Zeit habe, bis wir im Krankenhaus angekommen sind. Ich beginne das Gespräch, indem ich ihn frage, wie genau er über seine Diagnose Bescheid weiß. Nüchtern erklärt er es mir und benutzt Wörter, die kein normaler Mensch kennt. 

Ich sitze erstmal nachdenkend da. Dann frage ich ihn, genau so wie es der Narr tat, was er getan hat, um sich auf seine Reise vorzubereiten. Ausweichend antwortet er mir. Er weiß nicht was kommt, er stelle es sich so und so vor aber vielleicht ist es ja ganz anders. Im Endeffekt muss er jedoch, wenn nicht so deutlich wie der König, zugeben, dass er sich eigentlich nicht auf die Reise vorbereitet hat, obwohl er weiß, dass er an dieser Krankheit in naher Zukunft sterben wird.

Still schaue ich ihn an. Wir haben nicht mehr lange ins Krankenhaus und ich fühle, dass meine Worte vergeblich sind und wären. 

Tief in mir frage ich mich, wie ein Mensch im Angesicht des Todes so denken kann. 

Ich weiß, dass es verschiedene Phasen von Sterben gibt und dass er vielleicht in einer Phase ist, in der er das Sterben noch nicht realisieren kann. Er weiß jedoch, dass er in naher Zukunft von dieser Erde gehen wird und verschwendet keine Zeit für die Vorbereitung.

Das ist närrisch. Um es in den Worten der am Anfang geschrieben Geschichte auszudrücken.

buntes Helmpotpourri

Was man sich als Helmträger so alles anhören muss

„Sieht ja doof aus“

„Da geht doch die Frisur kaputt“

„Bist du noch ein Kind? Du brauchst doch keinen Helm mehr“

„Fährst du etwa auf der Straße!?“

„Ich fahre vorsichtig“

„Mir ist noch nie was passiert“

„Als ob der Helm schützen würde“

 

Und was ich darauf antworte

„Ein offenes Schädelhirntrauma sieht noch besser aus.“

„Wenn du dir den Kopf verletzt hast, sieht die Frisur auch nicht mehr schön aus.“

„Natürlich, im Auto schnallen sich auch nur die Kiddies an.“

„Was ist, wenn ich die Straßenseite wechseln muss, was ist, wenn auf dem Fahrradweg ein Bordstein ist?“

„Du schon, die anderen auch?“

„Zum Glück!“

Und auf die letzte Aussage lasse ich mich nicht mal ein.

Das beste sind immer die herablassenden Äußerungen, als ob Sicherheit eine lächerliche Angelegenheit wäre. Ich muss mich viel zu oft entschuldigen dafür, dass ich mich meine Sicherheit und mein Leben höher achte als vermeintlich unmodische Frisurzerstörer.

Blogparade: Ich und die Medizin

Hallo 🙂 es ist im Moment ziemlich ruhig hier geworden. Aber keine Sorge, das wird besser in den nächsten Wochen.

Heute möchte ich an einer Blogparade teilnehmen, die die liebe Anne von „Mein praktisches Jahr“ initiiert hat.

Ich finde die Idee sehr schön und habe mir auch überlegt, dass ich einiges dazuschreiben werde. Geschichten über den Rettungsdienst findet ihr zu Genüge in meinem Blog, deshalb werdet ihr heute nur hören, was ich von meinem Beruf und dem Rettungsdienst im Allgemeinen halte.

Ich bin mit Leib und Seele Rettungsassistentin. Das hat aber erstmal nichts zu sagen. Ich bin auch mit Leib und Seele Schwester, Tochter, Freundin, Vertraute. Ich möchte meine Arbeit, egal um was es geht, gut machen und mit meinem Herzen dahinter stehen.

Der Rettungsdienst ist eine interessante Domäne. Interessante Einsätze wechseln mit unglaublich unnötigen Fahrten ab und an manchen Tagen sitzen wir 10 Stunden in der Wache und fragen uns, was wir überhaupt machen, während wir an den anderen Tagen nicht mal sicher sein können, ob das Auto genügend Material hat, weil wir weder zum Kontrollieren des Bestandes noch zum Auffüllen kommen. Es gibt Einsätze, an denen die Menschen unglaublich dankbar sind, so dass es schon fast unangenehm ist während bei anderen Notfällen die Menschen so unverschämt sind, dass man annehmen muss, sie haben ihre gute Kinderstube vergessen (geschweige denn jemals eine genossen).

Die Einsätze haben eines gemeinsam: sie zeigen uns Einblicke, die kein normaler Mensch sehen. Da ist es die sonst top angezogene, immer picobello geschminkte Juristin, die sich keinen Fehler erlaubt, hier aber barfuß und vollkommen durch den Wind im Garten umherirrt. Da sehe ich den 15-jährigen Teenager, der nie weint und vor allem Menschen als eiskalt beschrieben wird. Jetzt liegt er vor mir auf der Trage und hält sich den Bauch und will von mir das Versprechen haben, dass er nicht Krebs hat. Die ältere Dame, die nie im Schlafanzug auf die Veranda gehen würde um die Wäsche aufzuhängen präsentiert sich uns mit ihrem Nachtgewand und verschämt will sie alles zurechtzupfen.

Die Menschen sind peinlich berührt, weil wir sie in diesem Zustand sehen, und selbst wenn wir ihr sagen, dass es uns nichts ausmacht, fühlt sich jeder einzelne in einer seltsamen Situation.

Und das ist das, was den Rettungsdienst ausmacht. Wenn jemand den Begriff Rettungsdienst hört, bringt er das immer mit schlimmen Unfällen, aggressiven Jugendlichen, spektakulären Rettungseinsätzen und wagemutigen Reanimationen in Verbindung.
Meiner Meinung nach macht den Rettungsdienst eines aus: das Zwischenmenschliche. Nein, ich glaube nicht, dass man das Fachwissen nicht braucht und man mit paar netten Worten die Situation gut reden kann.
Ich weiß aber, dass einige wenigen Worte helfen können, einem Menschen die Angst zu nehmen. Dass eine mitfühlende Geste so viel bedeuten kann und helfen kann, sich nicht mehr unwohl zu fühlen.

Und, was ganz wichtig ist: egal, was die Menschen vom Rettungsdienst halten, egal wie wir als Helden beschrieben werden und egal wie oft einige unserer Zunft sich als die Lebensretter schlechthin sehen. Der Rettungsdienst ist eine Tätigkeit mit unglaublichen Privilegien, aber auch mit einer großen Verantwortung. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 

Titelbild: made by Anne 🙂 total schön, oder?

Die unsichere Komponente

Ich komme ein wenig später an. Das liegt weder an meinem Notarzt, noch an dem Verkehr oder an der Strecke sondern einfach daran, dass der Rettungswagen näher dran ist.

Wir beide schauen um die Ecke und sehen unsere Kollegen, beide schauen uns mit einem endgültigem Blick an und wir gehen langsam zu ihnen. In meinem Kopf versuche ich einige Dinge zu sortieren und auszuschließen, aber so richtig vorbereitet war niemand auf das, was jetzt kommt.

Ich kann die Person nur von hinten sehen. Sie ist ruhig und bewegungslos. Die warme Frühlingsluft war bis gerade voll mit Vogelgesang aber scheinbar sehen die Tiere auch voller Schrecken auf das Bild, das sich ihnen bietet und halten so wie wir unwillkürlich die Luft an.

Ich habe einiges gesehen, schönes und schreckliches. Habe gestaunt und geschwiegen, gelacht und auch geweint. Ich habe geredet und gelächelt. Aber eines geschah selten. Nämlich, dass es mir in einem Einsatz die Sprache verschlagen hatte.Ich bin kein Mensch vieler Worte, aber ich kann meistens in jeder Situation das richtige sagen.

Heute nicht. Und auch den kompletten Einsatz über muss ich mich immer konzentrieren, wenn ich einen Satz sagen möchte, in der Leitstelle anrufe, mit der Kripo kommuniziere, den Notfallseelsorger bestelle. Auf der Heimfahrt schauen wir uns ab und zu an und sagen nur immer wieder:  „Also, das kann ich aber jetzt nicht glauben.“

Ich schätze, es ist schwierig, auf alles vorbereitet zu sein und das ist auch ein Aspekt, den ich an meinem Job mag. Man erhält ein Stichwort, eine kurze Information, aber ob sich genau das Notfallbild dahinter verbirgt, kann niemand sagen. Außerdem fließen immer die variablen Faktoren ein, die niemand von uns beeinflussen kann. Das hat mich auf eine gewisse Art und Weise entspannter gemacht, ruhiger. Ich kann gut mit dem Wissen leben, dass ich nicht alles in der Hand habe und es immer eine unsichere Komponente gibt, die ich nicht beeinflussen kann und der ich mich stellen muss, ob ich möchte oder nicht.

Manchmal kann einem die Ausbildung, die Erfahrung und die Weisheit einem aber nicht helfen. Wenn du das Stichwort „Suizid/Suizidversuch“ bekommst, handelt es sich oft nur um einen Hilfeschrei. Wenn du dieses Stichwort bekommst, rechnest du mit Dingen wie Tabletteneinnahme, Alkoholvergiftung und Verletzungen. Wenn du hörst, dass jemand sich das Leben nehmen will, gehst du davon aus, dass diese Person sich die Arme aufgeschnitten hat oder vielleicht sogar aufgehängt hat. Du rechnest selten mit den wirklich schlimmen und schrecklichen Arten von Suizid, denn diese Dinge passieren so selten, wie selten man zu Säuglingsreanimationen fährt.

Aber damit, dass du jemanden siehst, der sich mehrere große Gefäße im Körper eröffnet hat, dass du jemanden siehst, dessen Blut mittlerweile schon geronnen ist und auf dem Boden ein bizarres Muster formt, dass du jemanden siehst, der seinen Tod so in Szene setzt, dass niemand, der dieses Bild sieht, das jemals vergessen kann, dann hilft dir weder Erfahrung, Weisheit und Ausbildung.

Es gibt nur eine Möglichkeit…

Um jeden Preis

80???“ 

Die junge Frau spricht die Fragezeichen nicht aus, aber ich kann ihre Empörung deutlich hören.

Achzig ist viel zu hoch für mich. Das geht gar nicht, da ist was falsch bei mir. Das ist nicht normal. Messen Sie nochmal mit Hand und schauen Sie gleich, ob ich Extrasystolen habe.

Ja nun, dann mache ich nochmal. Während mein Monitor pflichtbewusst seine Arbeit tut und munter in einem wunderschönen Rhythmus vor sich hin piepst, lege ich meinen Zeige,-Mittel- und Ringfinger an die Stelle an ihrem Handgelenk, an der die Arteria radialis verläuft. Konzentriert blicke ich auf die Uhr, aber nur, damit ich unvoreingenommen ihren Puls zählen kann. 

79 Schläge in der Minute.“ Das Ergebnis meiner einminütigen Zählung deckt sich mit der Zahl, die auf dem Monitor erscheint. In der Ecke unten links zeigt die Stoppuhr an, dass wir die Überwachung mittlerweile 9:47 Minuten dran haben. In der lückenlosen EKG-Aufzeichnung erscheint ein wunderschöner Herzrhythmus, der keinen Hinweis auf eine Störung liefert. 

Ich schaue die Dame an, der meine Erklärungen gar nicht gefallen. Immerhin hat sie uns angerufen, weil sie das Gefühl hat, dass ihr Herz stolpert. Ich fasse ihr nochmal alle Werte zusammen, die im Normbereich liegen. Auch wenn ihr Puls normalerweise bei 65 liegt, ist eine Frequenz von 82 nicht unnormal und in der Regel nicht abklärungsbedürftig. Alles unter 100 ist erstmal in Ordnung und 80 ist kein Wert, der mir Sorgen bereitet. Sie weist auch keine Symptome auf, die für eine abklärungsbedürftige Störung der Erregungsweiterleitung am Herzen hinweisen. Mit andern Worten: sie ist gesund. 

Entrüstet blickt Sie mich an: „Sie sind doch nicht Ärztin, Sie können das gar nicht beurteilen.“ Das ist der Moment, in den ich kurz meine Augenbrauen hochziehe und sie nur anschaue, bis sie meinen Blick nicht mehr standhalten kann und auf die auf dem Couchtisch liegende Papiere sieht. Diese hatte ich vorhin auch schon ausgiebig studiert und sie sagen mir, dass ich nicht die erste Person bin, mit der sie über ihre Symptome gesprochen hat. Innerlich kopfschüttelnd, äußerlich wie immer ruhig und professionell reiche ich ihr die Hand und sage ihr: „Ihr Hausarzt erwartet Sie wie abgeklärt in zwei Stunden in seiner Praxis, ich wünsche Ihnen noch alles Gute“ und verlasse gemeinsam mit meinem Azubi und mit einem Durchschlag des Protokolls die Wohnung.

Im Auto schauen wir uns nur an. Worte braucht es hier keine.
Übrigens: besagte Patientin war/ist selber medizinisches Fachpersonal. Das erklärt, warum sie Fachbegriffe, Krankheiten und Normwerte kannte.

Tja…

.. Pech.

Passiert einem ein Unglück, zeigen alle nach außen Betroffenheit und signalisieren dem Verursacher, dass sie mit ihm mitfühlen und hoffen, dass sich alles für ihn zum Besten wendet. Insgeheim denkt jedoch jeder „zum Glück ist es nicht mir passiert“ oder „hätte er doch besser aufgepasst“ oder sogar „eigentlich dachte ich das schon immer„.

Jeder ist froh, dass nicht er der ist, der an den Pranger gestellt wird, dass er nicht der ist, der verantwortlich gemacht werden kann für den Schaden oder die Verletzungen einer Person.

 

Vor einigen Tagen geschah das einer Person. Ich kenne die Person noch nicht so lange, aber schon bevor wir uns näher kennenlernen konnten, war sie mir sympatisch und nach einigen gemeinsamen Einsätzen konnten wir schnell eine gemeinsame Wellenlänge finden. Hand in Hand arbeiteten wir zusammen, so als hätten wir schon immer gemeinsam gearbeitet und ich schätze ihre Art, mit dem Patienten umzugehen, freundlich, einfühlsam, aber doch bestimmt und durchsetzend.

Bis sich ihr Leben um 180° zu drehen scheint. Ein kleiner Schatten, eine unbedachte Bewegung, viel zu viel Dunkelheit und zu viel Faktoren, die aufeinander trafen und sich zu einen schrecklichen und traurigen Bild zusammenfügten, das eine schwer verletzte Person und meine zutiefst geschockte Kollegin in grauenhaften, schemenhaften Zeichen darstellt.

Ich weiß nicht, wie das ausgehen wird, ich weiß nur, dass alle tief betroffen sind und jeder insgeheim denkt: „zum Glück nicht ich.

Zurück zu der Überschrift. Denkt das nicht jeder von uns? Sagen wir das nicht insgeheim, manchmal auch laut, vielleicht auch mitfühlend: „Tja, Kumpel, da hast du echt Pech gehabt.“  Ich habe gelernt, dass alles, das im Leben geschieht, einen Grund hat und es keine Erklärungen wie „Pech“, „Schicksal“ oder „Glück“ gibt.

Und die Kollegin? Sie hat ihr Lächeln nicht verloren. Aber es ist nachdenklicher geworden, gequälter.

Versatile Award

Anne hat mich in ihrem Blogpost verlinkt und da ich kein Spielverderber sein möchte, mache ich natürlich mit 🙂 werde aber niemanden mehr verlinken.

Ich soll 7 Fakten über mich posten.

  1. Rettungsassistentin war nie mein Traumberuf. Als Kind dachte ich nie, dass ich mal mit Blaulicht durch die Straßen fahren werde.
  2. Ich plane alles durch. Wann ich aufstehe, wann ich was mache und wann ich schlafen gehe. Alles eine Frage der Organisation.
  3. Ich bin was die Arbeit angeht, ein sehr gewissenhafter Mensch und gehe immer 100% sicher, dass das, was ich mache, richtig und nützlich ist.
  4. Wie mein Blog schon verrät, bin ich ein gläubiger Mensch.
  5. Eigentlich würde ich mein Leben lang durchschlafen, aber es gibt so viele interessante Sachen, die man tun kann, also leidet der Schlaf drunter.
  6. Ich versuche immer ehrlich zu sein, egal um was es geht.
  7. In meinem Leben gibt es hohe Ziele, die ich erreichen möchte und auf die ich hinarbeite.

Jetzt wisst ihr ein wenig mehr über mich 🙂

Auf ein Wort (1)

Liebe Rettungsdienstmitarbeiter,

ich habe euch angerufen, weil es mir oder einem meiner Angehörigen oder Bekannten nicht gut geht. Ich habe euch angerufen, weil ich gesehen habe, dass ein Mensch Hilfe benötigt, ich habe euch angerufen, weil ich gesehen habe, dass ein Unfall passierte und ich es als meine Pflicht sehe, euch zu informieren.

Ich weiß, dass ihr oft wichtige Dinge zu erledigen habt, manchmal nicht richtig essen könnt und viel zu oft Überstunden macht.

Ich schätze sehr, dass ihr trotz allem euch die Zeit nimmt, euch um mich oder einer hilfsbedürftigen Person zu kümmern. Ich glaube, dass ich mich (meistens) auf euch verlassen kann und euer kompetentes Auftreten lässt mich oft denken, dass ihr Ärzte seid, selbst wenn ihr ohne einen Notarzt unterwegs seid.

Ich schätze sehr, dass ihr mit mir und mit anderen erkrankten Personen redet und ihnen das Gefühl gibt, nicht nur eine Fallnummer zu sein. Ich freue mich, dass ihr mich fragt, was ich heute gemacht habe und ob ich was gegessen habe. Ich weiß, dass ihr das sehr wahrscheinlich für eure Unterlagen braucht, aber das vermittelt mir das Gefühl, dass ihr euch für mich und mein Leben interessiert.

Ich schätze es sehr, dass ihr mir nicht nur Fragen stellt, welche Medikamente ich einnehme sondern auch wissen wollt, wie das kleine Enkelkind hieß, dass der Sohn auf dem Arm hatte oder wieviele Katzen ich daheim habe.

Ich schätze es sehr, dass ihr meine Angehörigen mit Respekt behandelt, ihnen Fragen stellt und nicht über ihren Kopf hinweg redet. Ich freue mich sehr, dass ihr auch mir Fragen stellt, um euer Bild über die Notfallsituation zu vervollständigen.

Bitte versteht, wenn ich ich als Patient oder Angehöriger zwei mal nachfrage, wie genau der Blutdruck ist. Ich verstehe zwar nicht, was genau ein Blutdruck von 200 macht, aber ich weiß, dass ein Blutdruck von 200 nicht gesund ist und weil mir meine und die Gesundheit meines Angehörigen wichtig ist, frage ich euch, um ganz sicher zu gehen.

Seid mir nicht böse, wenn ich mich ins Gespräch einmische. Ich habe Angst, dass mein Angehöriger die Sache zu sehr runterspielt. Ich mache mir Sorgen und diese sind nicht durch ein hartes „jetzt seien Sie mal bitte ruhig und mischen sich nicht ein“ auszulöschen, aber durch ein ruhiges und bestimmtes Auftreten, das ich sehr bewundernswert in solch einer Situation finde, werde ich versuchen, mich mehr zurückzuhalten.

Wenn ich euch Sachen verschweige, ist es oft, dass ich Angst habe, dass ihr mich verurteilt.

Wenn ich frage, was ihr genau da macht, ist das kein  In-Frage-stellen eures Könnens und eurer Erfahrung sondern einfach, weil ich wissen möchte, welche Maßnahmen ihr an mir oder meinem Angehörigen macht, einfach weil es mir wichtig ist.

Wenn ich euch unnötig alarmiert habe, bitte ich euch, dass ihr versteht, dass ich oft nicht weiter wusste, ob das, was ich habe normal ist oder ob es abgeklärt werden sollte. Ich wünsche mir, dass ihr versteht, dass ich den Notruf nicht ausnutzen möchte, sondern mir Sorgen um mich, meine Angehörigen oder den Mann auf der Straße mache.

 

 

Dies ist der erste Teil einer kleinen Serie, die verschiedene Seiten im Rettungs-und Gesundheitswesen beleuchtet und verschiedene Meinungen darstellt. Natürlich handelt es sich oft um ein Ideal, es gibt mit Sicherheit genug Leute, die einfach sehr unsoziale und unverschämte Menschen sind. Sowohl auf der einen Seite, als auch auf der anderen Seite. 

In eigener Sache

Hallo 🙂

Im Moment hat sich einiges bei mir geändert. Ich habe weniger Zeit, regelmäßig Beiträge zu schreiben. Das habt ihr sicherlich auch schon gemerkt.

ich möchte nicht so gerne öffentlich berichten, was sich genau geändert hat, jedoch könnt ihr mich gerne entweder hier in der Kommentarfunktion oder unter meiner E-Mail-Adresse (hier zu finden) kontaktieren.

Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit zwischen den Jahren und einen wundervollen Start in das neue Jahr.

Gottes Segen!