Der Feind

Der Mann, der vor mir sitzt starrt auf den Boden, er scheint kaum auf meine Anwesenheit zu reagieren. Ich spreche ihn nochmals an, da hebt er langsam den Kopf und stiert mich mit blutunterlaufenen Augen durchdringend an.

„Was haben Sie gesagt?“

Ich wiederhole meine Frage und da bricht es aus ihm heraus:

Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Mich macht das alles fertig. Ich schaffe es nicht allein. Ich habe es versucht, aber es geht nicht. Ich will so nicht weiterleben.“

Er scheint nicht aggressiv zu sein, deshalb bleibe ich auch ruhig sitzen und höre ihm zu, während er mit unbeherrschter Stimme seine Lage schildert. Er kann nicht ruhig sitzen, seine Hände zittern, die Füße stehen nicht still. Als ich ihm einen Zugang lege und Blut abnehme, muss ich jeden Schritt genau ansagen, da er sonst die Hand wegziehen kann. Die Untersuchung gestaltet sich ebenfalls schwierig, er kann nicht ruhig stehen bleiben und als ich das Herz abhöre, höre ich deutlich seine Aufregung.

Nachdem ich fertig bin, überlasse ich den Patienten dem Krankenhaus, der Station, der Pflege. Ich muss aber noch die letzte halbe Stunde Revue passieren.

Alkohol – wenn der (vermeintliche) Freund zum schlimmsten Feind wird.

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