Blogparade: Ich und die Medizin

Hallo 🙂 es ist im Moment ziemlich ruhig hier geworden. Aber keine Sorge, das wird besser in den nächsten Wochen.

Heute möchte ich an einer Blogparade teilnehmen, die die liebe Anne von „Mein praktisches Jahr“ initiiert hat.

Ich finde die Idee sehr schön und habe mir auch überlegt, dass ich einiges dazuschreiben werde. Geschichten über den Rettungsdienst findet ihr zu Genüge in meinem Blog, deshalb werdet ihr heute nur hören, was ich von meinem Beruf und dem Rettungsdienst im Allgemeinen halte.

Ich bin mit Leib und Seele Rettungsassistentin. Das hat aber erstmal nichts zu sagen. Ich bin auch mit Leib und Seele Schwester, Tochter, Freundin, Vertraute. Ich möchte meine Arbeit, egal um was es geht, gut machen und mit meinem Herzen dahinter stehen.

Der Rettungsdienst ist eine interessante Domäne. Interessante Einsätze wechseln mit unglaublich unnötigen Fahrten ab und an manchen Tagen sitzen wir 10 Stunden in der Wache und fragen uns, was wir überhaupt machen, während wir an den anderen Tagen nicht mal sicher sein können, ob das Auto genügend Material hat, weil wir weder zum Kontrollieren des Bestandes noch zum Auffüllen kommen. Es gibt Einsätze, an denen die Menschen unglaublich dankbar sind, so dass es schon fast unangenehm ist während bei anderen Notfällen die Menschen so unverschämt sind, dass man annehmen muss, sie haben ihre gute Kinderstube vergessen (geschweige denn jemals eine genossen).

Die Einsätze haben eines gemeinsam: sie zeigen uns Einblicke, die kein normaler Mensch sehen. Da ist es die sonst top angezogene, immer picobello geschminkte Juristin, die sich keinen Fehler erlaubt, hier aber barfuß und vollkommen durch den Wind im Garten umherirrt. Da sehe ich den 15-jährigen Teenager, der nie weint und vor allem Menschen als eiskalt beschrieben wird. Jetzt liegt er vor mir auf der Trage und hält sich den Bauch und will von mir das Versprechen haben, dass er nicht Krebs hat. Die ältere Dame, die nie im Schlafanzug auf die Veranda gehen würde um die Wäsche aufzuhängen präsentiert sich uns mit ihrem Nachtgewand und verschämt will sie alles zurechtzupfen.

Die Menschen sind peinlich berührt, weil wir sie in diesem Zustand sehen, und selbst wenn wir ihr sagen, dass es uns nichts ausmacht, fühlt sich jeder einzelne in einer seltsamen Situation.

Und das ist das, was den Rettungsdienst ausmacht. Wenn jemand den Begriff Rettungsdienst hört, bringt er das immer mit schlimmen Unfällen, aggressiven Jugendlichen, spektakulären Rettungseinsätzen und wagemutigen Reanimationen in Verbindung.
Meiner Meinung nach macht den Rettungsdienst eines aus: das Zwischenmenschliche. Nein, ich glaube nicht, dass man das Fachwissen nicht braucht und man mit paar netten Worten die Situation gut reden kann.
Ich weiß aber, dass einige wenigen Worte helfen können, einem Menschen die Angst zu nehmen. Dass eine mitfühlende Geste so viel bedeuten kann und helfen kann, sich nicht mehr unwohl zu fühlen.

Und, was ganz wichtig ist: egal, was die Menschen vom Rettungsdienst halten, egal wie wir als Helden beschrieben werden und egal wie oft einige unserer Zunft sich als die Lebensretter schlechthin sehen. Der Rettungsdienst ist eine Tätigkeit mit unglaublichen Privilegien, aber auch mit einer großen Verantwortung. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 

Titelbild: made by Anne 🙂 total schön, oder?

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Ein Gedanke zu “Blogparade: Ich und die Medizin

  1. Hey! Erst mal Danke fürs Mitmachen! Und danke fürs Kompliment für mein Bild 😉
    Ich finde im Rettungsdienst erlebt man das Zwischenmenschliche noch mehr als als Arzt in der Notaufnahme. Oft konnten die Patienten sich schon wieder aklimatisieren. Ich finde immer wieder bewundernswert wie die Kollegen vom Rettungsdienst das können…
    Nochmals Danke! 🙂

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