Und ihr?

„Wir sind dann wieder einzatzklar.“

Kurze Stille.

„Bist du persönlich auch wieder einsatzklar?“

Die mitfühlende Stimme des Kollegen am Funk lässt mich kurz innehalten. Zwei Sekunden später gebe ich ein kurzes „Jawohl“ durch und wir fahren los.

Hinter uns liegt ein Schlachtfeld. In der Tat ein Schlachtfeld, dessen wiederherstellung und Räumung noch Stunden dauern wird. Noch länger wird das Heilen der Verletzungen dauern und ungewiss wird die Dauer der seelischen Wunden sein.

Wir waren dabei. Es war kein einfacher Unfall, es war kein schwerer Unfall. Es war ein schrecklicher Unfall. Es war nicht ein normaler Einsatz und auch kein außergewöhnlicher Einsatz, nein, es war ein außerordendlich grauenhafter Einsatz. Ein Notfall, den wir nie vergessen werden, ein Tag, der sich immer in unsere Erinnerung einbrennen wird und eine Stunde voller Angst, Anspannung und Sorgen, die nicht mit dem Ende der Schicht wie die Einsatzkleider auf der Wache zurückgelassen werden, zurückgelassen werden können.

Es werden Bilder durch unsere Köpfe gehen, die wir nicht vergessen können. Es werden Stimmen zu hören sein, die uns erschrecken und Weinen, das uns verfolgen wird. Worte und Bilder werden einige von uns viele Nächte nicht ruhig schlafen lassen und mancher könnte sogar daran  zerbrechen.

Es war ein Einsatz, den man nicht so schnell vergessen kann. Den man vielleicht nie vergessen wird. Wunden heilen, Bilder verblassen, Stimmen werden leiser und Gedankengänge lassen uns in Frieden. Jedoch braucht es nur ein kleines Wort, ein kurzes Bild und sofort werden die Geschehenisse präsent.

Das ist der Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir anderen helfen. Es liegt ein großer Segen darin, anderen zu helfen, jedoch muss man immer mit der Gewissheit in den Tag gehen, dass dieser nicht nur Angehörige, Patienten und Freunde sondern auch dich mit Tränen in den Augen einschlafen lässt.

 

 

9 Gedanken zu “Und ihr?

  1. Ich hoffe einfach nur, dass es nicht mit dem schrecklichen Geschehen in Lübeck zusammen hängt …

    Egal was passiert ist, wünsche ich dir viel Kraft für die jetzige Zeit und hoffe, dass du wieder einen Weg finden wirst mit dem erlebten umzugehen. Scheue bitte nicht, dir Hilfe von außen zu holen.
    Sicherlich wird das nicht einfach werden, ich empfinde dich aber über deinem Blog als starke Persönlichkeit und denke, dass du es schaffen kannst.

    Viel Glück!

    • Hey, nein, ich komme aus einer anderen Gegend. Ich schreibe dir mal eine mail für eine genauere Erklärung.
      Vielen liebeb Dank für deinen Wunsch!

  2. Grüß Dich, das hört sich furchtbar an. Und ihr seid bereits viel Furchtbares gewohnt; ohne abzustumpfen.
    Ich schließe mich Fernlicht s Wünschen an, besser kann ich es auch nicht ausdrücken. kerrha

  3. Hallo Supra!
    Ich habe mir die letzten Wochen Zeit genommen und deinen Blog von Anfang an bis zum Ende gelesen – ich konnte einfach nicht mehr aufhören!
    Ich bin selbst freiwillig im Rettungsdienst und gerade dabei meinen eigenen Blog aufzubauen.
    Ich finde deine Storys und vor allem die Art, in der du schreibst so wahnsinnig mitreißend. Mir lief es des öfteren kalt den Rücken hinunter beim Lesen! Ich bewundere dich – nicht nur dafür, wie du schreibst, auch dafür, wie du deinen Beruf lebst! Man sieht nicht oft Menschen wie dich, die helfen um des Helfens Willen. Mir scheint, du hast deine Berufung gefunden und das freut mich für dich! Und mich freut auch, dass du uns alle daran teilhaben lässt!
    Vielen Vielen Dank für all deine Geschichten! Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag und hoffe zeitgleich, dass es einen solchen nicht geben wird – es würde damit doch wieder ein trauriges Schicksal niedergeschrieben werden.

    Mit allerliebsten Grüßen
    rettungsmaedchen

    • Hallo Rettungsmädchen, vielen Dank für dein Feedback.
      Ich weiß, was du meinst, oft handeln meine Beiträge von den traurigen Seiten des Rettungsdienstes, das ist das, was eher präsent bleibt.
      Ich freue mich aber Immer über einen Besuch von dir 🙂

      Und übrigens, tolle Seite, die du hast!

      • Danke! 🙂
        Und ich drück dir die Daumen, dass solche Einsätze einmalig bleiben und du das irgendwann vergessen kannst!
        Ich habe leider auch so einen Einsatz, der ganz am Anfang meiner „Karriere“ passiert ist und sich seitdem immer wieder in meine Gedanken einschleicht. Aber daraus habe ich auch gelernt – vor allem, dass reden hilft.
        Und ja, leider bleiben meist die schrecklichen Geschichten am längsten im Kopf hängen.

  4. Sehr schön und sehr treffend geschrieben. Ich wünsche dir und deinen Kollegen alles Gute und viel Glück/Erfolg dabei, zu verarbeiten, und dass der Einsatz irgendwann nicht mehr dauernd präsent sein wird (und euch die PTBS erspart bleibt).

    • Vielen Dank für deine Worte.
      Wie gesagt, der Einsatz ist schon länger her, jedoch kommen immer wieder die Erinnerungen hoch.
      Ich glaube aber, dass mein Kollege und ich das ganz gut ohne PTBS geschafft haben.

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