First rule

Einsatz mit Sonderrechten, irgendwo am Stadtrand. Der Kollege fährt, wir sind beide etwas müde.
Die Einsatzmeldung lässt auch zu wünschen übrig, der Kollege auf der Leitstelle kann aus dem Anrufer kaum Informationen herausbekommen.

Wir sind da, wir werden schon erwartet. Es handelt sich um einen jungen Mann mit seltsamen, unerklärlichen Symptomen.
Ruhig betreten wir die Wohnung und sehen schon den Patienten auf dem Boden liegen.
Um ihn herum eine Menge Menschen.

Während wir den jungen Mann versorgen und versuchen, die Situation zu beherrschen, fällt mir ein, dass wir einen wichtigen Gegenstand vergessen haben und schicke ihn zum Auto.
Währenddessen vervollständige ich meine Diagnostik.
Plötzlich mache ich die erschreckende Feststellung, dass ich komplett allein bin. Allein in einer Gruppe Männer, die nach außen keinen vertrauenserweckenden Eindruck machen. Ich lasse es mir nicht anmerken, jedoch habe ich ein sehr beklemmendes Gefühl, während ich mit routinierten Handgriffen einen venösen Zugang lege.
Da höre ich die Schritte meines Kollegen und am liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen, da er so schnell wieder da war.

Harmonisch arbeiten wir beide zusammen und bringen den Patienten ins Krankenhaus. Im Sekundentakt hallt der Satz in mir wieder: Safety first – safety first – safety first.

Und wieder führe ich mir vor Augen, dass die Regel Nr 1 nie, in keinem Fall vergessen werden darf.
Sicherheit geht immer vor und nie sollte ein Team, nur im aller äußersten Notfall, getrennt werden.

Safety first!

3 Gedanken zu “First rule

  1. Als gutgläubiger, naiver Mensch der ich bin, würde ich denken, dass in so einem Fall niemand was versucht. Ich meine… da liegt der Kollege aufn Boden und du versorgst ihn verdammt!
    Aber der paranoische Mensch in mir, der selbst hinter einem auf den Boden liegenden Kieselstein einen Mordanschlag vermutet, hast du recht.

    Aber:
    Was wäre die Alternative gewesen:
    Du gehst und er bleibt? Der >wichtige< Gegenstand wird ignoriert und ihr versucht den Patienten ohne zu stabilisieren und in den Wagen zu bringen (wenns die Liege war, wird das unter Umständen ja auch schon kompliziert)? Du schickst einen der Zuschauer? Ist doch alles nicht das Wahre. :/

    Gut das nichts passiert ist!

    • Ja, die Situation hatte schon einen leicht bedrohlichen Charakter….
      In diesem Fall hätten wir es ohne *wichtigen Gegenstand* geschafft, aber du erwähnst die Trage-irgendwann wäre der Zeitpunkt gekommen.
      Ich bin auch froh, dass nichts passiert ist 🙂

  2. Wirklich schade, dass selbst der Rettungsdienst bei der Versorgung eines Patienten sich Gedanken über seine Sicherheit im Bezug auf die übrigen Personen machen muss.
    Täglich liest man davon, dass wieder Rettungskräfte angegriffen worden sind, doch irgendwie ist das so fern und man würde ja nie selbst in eine solche Situation kommen. Doch es könnte einem selbst passieren, heute, morgen oder in zwei Wochen.

    Ich frage mich, was in solchen Leuten vorgehen muss, um Menschen anzugreifen die einem nur helfen wollen. Reicht es dann nicht einfach die Hilfe abzulehnen, eine Transportverweigerung zu unterschreiben und seines Weges zu gehen?

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