Allein auf weiter Flur

RTW Einsatz mit Signal; v.a. Kreislaufprobleme
Schnell sind mein Kollege und ich im Auto. Vor paar Minuten ist das NEF nach JWD (janz weit draußen) gefahren, also ist es erstmal nicht verfügbar.
Unterwegs überlegen wir, was wir mitnehmen sollen. Auf jedenfall den Rucksack und das EKG.
Am Einsatzort angekommen empfängt uns schon die Ehefrau des Patienten.
Aufgeregt erzählt sie, dass er schon einige Tage krank sei und nun kaum aus dem Bett rauskommt. In der Wohnung sehen wir in im Bett liegen, schwer atmend und leicht zyanotisch. Schnell checken wir die Vitalwerte ab:
Blutdruck: 90/70
Puls: 120
O2-Sättigung: nicht wirklich messbar, da zyanotische Finger, Re-kap Zeit jedoch sehr sehr verzögert, ca 6 Sekunden
BZ: 106 mg/dL

Zudem ist er ziemlich somnolent (d.h. bewusstseinsgetrübt, schläfrig), bis vor einigen Stunden war eine Kontaktaufnahme ohne Probleme möglich.

Vorerkrankungen sind keine bekannt, außer die bekannte Grippe seit einer Woche.

Ich atme kurz tief ein und gebe dann Anweisungen:

„Kollege, du holst die Trage, mach die Heizung an; Frau D. Sie suchen die KV-Karte heraus und dann fahren wir schnellstmöglich.“

Während mein Kollege die Trage vorbereitet, krame ich schnell die Sachen für einen i.v.-Zugang heraus und rufe die Leitstelle an um abzuklären, ob der Notarzt abkömmlich sei.

Die Venenverhältnisse sind akzeptabel, mehr als eine Rosanüle brauche ich gerade nicht unbedingt und diese ist schnell versenkt. Wenn es drauf ankommt, geht es immer.

Im Auto angekommen erfahren wir, dass der Doc 1. zu weit weg und 2. nicht abkömmlich sei.

Der andere Doc braucht ungefähr 20 Minuten und ich mit Signal in die Klinik 7 Minuten.

Also nicht lange überlegen: mein Kollege und ich treffen die Entscheidung, ohne Notarzt und mit Signal zu fahren.

Unterwegs messe ich die Temperatur (40,2) und setzte sowohl Infusionstherapie als auch Sauerstoffgabe fort.

Sein Blutdruck steigt leicht an, jedoch ist die Zyanose immer noch ausgeprägt und seine Wachheit mit einer neun auf der GCS keinesfalls ein Umstand, der mich beruhigt zurücklehnenlässt.

Einige Minuten später ist die liebe Internistin von der ITS an meiner Seite.

Nach Erledigung des Papierkrams gehe ich nachdenklich zum Auto.

Alleine sein kann ich.

Muss aber nicht immer sein.

Anmerkung: ich weiß, dass ein Notarzt präklinisch genau diese Maßnahmen ergriffen hätte, ggf. bei weiterer Vigilanzminderung intubiert hätte.
Jedoch ist diese Symptomatik eine NA-Indikation und ich schätze, jeder wäre froh gewesen, wenn er einen Fachmann zur Seite hätte. 🙂

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