Endlose Reise

Die Kollegin wird abrupt aus ihren Gedanken gerissen. Der Melder geht und ein neuer Einsatz ruft. Es geht zu einer bewusstlosen Person. Während sie den Doktor aufnimmt, nimmt ihr Gehirn eine ungewöhnliche Abkürzung war.
Schon in diesem Moment funkt die Leitstelle:
Zur Information: es handelt sich um ein 4 Monate altes Baby. Die Mutter hat bereits mit Reanimationsmaßnahmen begonnen.
Totenstille.
Es ist, als halte der gesamte Kreis den Atem an. Unbeteiligte Kollegen spüren einen kalten Schauer, andere schlagen sich die Hand vors Gesicht. Niemand wäre gerne an ihrer Stelle.
Die beiden betroffenen Autos düsen durch die Straßen. Es wird nicht gesprochen.
Sie sieht ihre Ärztin auf dem Sitz. Bleich, ratlos, geschockt.
Auch sie hat ein einziges Gedankenkarussell in ihrem Kopf. Sie hat selber Kinder, Nichten und Neffen. Sie will nicht weiterdenken.
Während sie mit Vollgas durch den Verkehr jagt und alles aus dem Auto herausholt, wünscht sie sich trotzdem so sehr, nie, nie ankommen zu müssen.
Nie!

Bemerkung: Diesen Einsatz fuhr nicht ich und darüber bin ich auch sehr dankbar. Doch es gibt viele Kollegen, die solche Erfahrung leider machen mussten.

5 Gedanken zu “Endlose Reise

  1. … und sich dann noch an den Karren pissen lassen müssen, weil sie angeblich andere Verkehrsteilnehmer “genötigt” hätten….

    • Ja, diesen Vorfall hatte ich mit Empörung beobachtet. Es ist wirklich schwierig, gut zu arbeiten, wenn man solchen ignoranten Mitbürger begegnet.

  2. Kein Retter kann etwas für die Krankheiten und Unfälle seiner Patienten.
    Damit die Folgen von Krankheiten und Unfällen möglichst gering ausfallen dafür sind wir da.
    Wenn wir uns das klar machen wird aus dem Fall:
    Es handelt sich um ein Kind, der Körper hat also ein gutes Regenerationsvermögen.
    Es wurde sofort eine Laienreanimation begonnen.
    Hey wir haben diesmal wirklich eine reelle Chance!
    Mir ist klar das keiner diese Gedanken immer herzaubern kann,
    aber nur mit dieser Einstellung kann mann den Rettungsdienst auf Dauer machen.

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