Mindestgröße

Unsere Patienten benötigen meistens einen venösen Zugang, um zum einen Blut abzunehmen und zum anderen Medikamente zu injizieren.
Es gibt verschiedene sogenanntem „Viggos“, die auch unterschiedliche Farben haben.
Orange ist die größte (14G), jedenfalls bei uns. Es gibt noch eine 12G-Viggo, habe ich jedoch noch nie gesehen.
Dann folgen weiß, grau, grün und rosa. Zudem gibt es noch blaue, gelbe und violette. Eine grüne Viggo ist eine 18G-Viggo, während auf der Packung von einer gelben 24G steht.
Ich glaube, ihr habt das System verstanden, je kleiner die Viggo (also das Lumen, die Größe und Durchflussrate), desto höher die „Zahl“ (G=Gauge).

Es ist verständlich, dass man nicht jedem jede Viggo legen kann. Einem durchtrainierter 25-jähriger kann wahrscheinlich ohne Stauung eine orangene Viggo gelegt werden (tut trotzdem sehr weh), weil er super Venen hat.
Doch bei der 15-Jährige mit den feinen Venen oder die alte Oma mit geschwollenen Armen bekommen wir oft nur eine „Baby-Viggo“ (blaue Farbe) zustande.

Oft ist es auch so, dass man sich über die Größe der Venenverweilkanüle profiliert:
„Und dann hab ich dem Opa mit Herzinfarkt einen grauen Zugang gelegt, boah, hatte der schlechte Venen!“
„Also rosa nur? Dass du dich nicht schämst!“
„Mindestens grün muss rein, wir sind doch nicht in der Pädiaterie!“
„Der braucht doch Volumen!“
„Und bei einem Krampfanfall habe ich schnell eine 16G-Viggo gelegt…“

Ich gebe zu, dass ich ab und zu denke:
„oh, da kann ich ja eine weiße nehmen.“
Oder:
„Mindestens grün muss sein!“

Doch warum? Bei einem unkomplizierten Krampfanfall reicht doch rosa, vor allem, lieber sicher rosa als unsicher grün.
Ein Herzinfarkt-Patient braucht kein Volumen, also keinen großlumigen Zugang.
Schmerzmittel können auch über einen grünen Zugang gut verabreicht werden, falls operiert werden muss, kann gegebenenfalls ein zweiter Zugang gelegt werden.
Wenn es darum geht, wer den größten Zugang legt, bitteschön. Aber dann nicht mit fadenscheinigen Argumenten belegen.
Hier geht es nicht um den schweren Verkehrsunfall oder die akute Magenblutung. Es ist dieses ganz normale Standard-Geschäft.
Und zudem tun die Viggos, je größer sie sind, umso mehr weh. Glaubt mir. 🙂

Ich würde gerne wissen, was ihr so denkt. Was sagt ihr als Fachpersonal dazu? Wie seht ihr dieses „Profilieren“?
Und was sagen die Laien? Hattet ihr schon mal Probleme beim Blutabnehmen? Taten euch bestimmte Zugänge besonders weh?
Vielleicht entsteht eine interessante Diskussion.

16 Gedanken zu “Mindestgröße

      • Wobei – stimmt gar nicht:
        Vor einigen Jahren hatte ich mal nen sehr netten Ex-Junkey mit fürchterlichen Venen. Dem hab ich bei V.a. Infarkt mit Mühe und Not ne rosa Vigo reingefriemelt.
        Dann kam aus der Nachbarstadt so ein ganz junger, dynamischer Notarsch, der die Nase ziemlich hoch trug und zeigen wollte, was für ein toller Hecht er ist. Der Patient hat nur gegrinst und gemeint, er könne ja einen größeren Zugang legen. Der Kollege hat dann 10 min rumgefummelt, die Rettungsassistenten aus dem Ort, die ich kannte, der Patient und ich haben uns einen gegrinst und dann ist er kleinlaut mit liegender rosa Vigo abgezogen… 🙂

  1. Ich hab mal einen Narkosearzt bei der Vorbereitung zu meiner Op
    mit “Oh Süß rosa” angesprochen. Nach etlicher Bedenkzeit kam dann ” Oh sie sind vom Fach” und es hat sich eine nette Fachsimpelei entwickelt. 🙂
    Im allgemeinen halte ich allerdings nichts von dem Matchogehabe.
    Wenn man es ganz genau nimmt kann man es sogar als Körperverletzung auffassen wenn eine größere Kanüle als nötig verwendet wird und damit auch eine größerer Wunde als nötig erzeugt wird. Wenn man nur den Blutzucker bestimmen will setzt man doch auch keine Vigo.

    • Hallo Ralf, das mit der Körperverletzungen weiß ich nicht so genau. Aber es kann gut sein, dass man sich auch darauf berufen könnte, nichts ist unmöglich.

      Zu dem BZ-Bestimmen, wenn es „nur“ um eine Bestimmung als Routine geht, bejahe ich deine Aussage. Wenn der Verdacht einer Entgleisung besteht, wird oft erst der Zugang gelegt und dann das Blut aus der Kammer zum Bestimmen verwendet. 🙂

  2. Ich glaube, diese Themen gibt es nur wegen der Frauenquote.
    Die können doch sonst bei dem Thema “Wer hat den größten… (ZUGANG GELEGT” nicht mitmachen *chrchrchr*

  3. Bei uns im RD-Bereich gibts da relativ wenig Machogehabe. Es wird meistens rosa gelegt. Rettungsdienstpersonal legt sehr oft rosa, da eben bei den allermeisten Notfällen ausreicht.
    Bei Patienten, die Volumen benötigen wird natürlich dann eine weiße oder orange Nadel gelegt, Grüne und grauße Viggos haben wir auf den RTW gar nicht.

    Auch die Notärzte nehmen meist rosa Viggos, es sei denn es ist eben eine größere notwendig. Einige wenige nehmen lieber eine weiße Nadel, da sie meinen, dass diese besser zu legen ist.

    Ich selbst bin froh, wenn irgendeine Viggo liegt, da ich noch zu unsicher bin.

    Im Kinikpraktikum habe ich auch einmal eine graue Viggo legen sollen und dies hat auch funktioniert, doch ich war froh, dass der Patient in Narkose war, denn die sehen vielleicht schon etwas bedorhlicher aus.

    • Die großlumigen Zugänge sind manchmal auch besser, weil sie vorne natürlich viel viel spitzer sind und man daher auch besser durch die Haut kommt. Da hast du jedoch recht, sie sehen ziemlich bedrohlich aus 🙂 leg mal so eine süße rosa neben einer grauen oder orangenen hin. Das sind Welten 🙂

  4. Okay, ich hinke ein Jahr hinterher. Bei uns werden kaum noch Zugänge gelegt und wenn, dann lieber mit Butterfly (grün mit extralangen Schlauch). Rosa, weiße und blaue Zugänge haben wir zwar auch da, verwendet aber kaum noch jemand bei uns. Eigentlich nur, wenn es mal wirklich einen Notfall gibt – also etwa zweimal pro Jahr maximal – und dann setzen es die Ärzte selber (habe ehrlich noch nie mit so einem komsichen Dingensding punktiert. Ich glaube ich werde irgendwas kaputt machen, wenn es mal soweit ist :D). Ach und für die Blutabnahme haben wir noch gelbe Sicherheitskanülen, aber das nimmt sich ja auch nicht mehr viel.

    • Hallo Wölfchen, willkommen hier 🙂
      Ja, das hatte ich schon öfters so gesehen, dass bei Notfällen in Praxen die Ärzte am ehesten den Zugang gelegt haben.
      Und kaputt machen kannst du da eigentlich nicht mehr als bei der Blutabnahme. Musst halt nur noch einen Tick weiter rein 🙂

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