Der ewige Gegner

Es ist so, dass der Tod eines Menschen für den Rettungsdienst mit Versagen gleichgesetzt wird. Man hat nicht genug getan, war nicht schnell genug, der Zugang saß nicht gleich und die Beutel-Masken-Beatmung klappte nicht. Dass im Endeffekt nichts mehr zu machen war oder wir nicht schneller fahren konnten, weil es Feierabendverkehr gab oder die Straße glatt war. Dass der Zugang nicht gleich saß, weil der Mann schon zu lange da lag oder der Jugendliche nach dem Unfall bereits zentralisiert hatte und die Beatmung problematisch war, weil der Patient Bartträger war und ziemlich viel Gewicht aufwies.
Aber das ist egal, das zählt nicht und wir finden immer Ausreden und Begründungen.
Zwar sagen wir uns immer:
Wir haben ja alles getan.
Doch ich weiß, dass jeder denkt: Wirklich alles?

Warum ist das so? Weshalb ist das besonders für uns Rettungsassistenten (und Notärzte) so schwierig, mit dieser Frage umzugehen?

Wir sind in der Ausbildung und auf Fortbildung darauf getrimmt worden, Leben um jeden Preis und zu 100% zu erhalten und zu retten. Bei uns stellt sich da keine Frage, bei uns wird einfach nicht gestorben. So ist es.
Dann wird reanimiert, oft auch während der Fahrt, es wird injiziert, intubiert, defibrilliert und so weiter und so weiter.
Hauptsache ist und bleibt, der Erkrankte kommt einigermaßen stabil im Krankenhaus an.
Selbst in den Fortbildungen bei Fallbeispielen überleben die Patienten. Sie bekommen einen Rhythmus, brauchen einen Schrittmacher oder Medikamente.
Kaum ein Fallbeispiele läuft darauf hinaus, dass der Patient stirbt und wir mit den Angehörigen reden müssen.

Warum ist das so?
Wir sind in der Notfallmedizin. Wir wollen akute Situationen bessern. Wir betreiben keine Palliativmedizin, das ist ein anderer Bereich. Bei uns bekommen Patienten hochpotente Schmerzmittel, erhalten eine 1:1 Betreuung (besser gesagt 4:1).
Das ist Rettungsdienst und Notfallmedizin.

Auf die Frage, warum der Tod für uns eine so schwierige Situation darstellt, warum wir es auch ein wenig wie eine „Beleidigung“ empfinden, kann ich keine Antwort geben.
Vielleicht lässt sich aus vielen verschieden Facetten ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt eines in der Notfallmedizin tätigen Menschen gewinnen.
Doch wirklich verstehen kann man es nicht.
Ich auch nicht. Es ist so.

Edit: Falls ich eines Tages eine Antwort habe, lasse ich es euch wissen.

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