Ich habe es fast vergessen

Ich habe mal wieder Dienst. Die Zeit dümpelt so vor sich hin, der eine liest, der andere hat die Augen geschlossen und der dritte sucht was im PC. Ist ziemlich ruhig heute.

Plötzlich geht der Melder und zwei Leute springen auf. Mein Kollege und ich gehen zum Auto und drücken den Status auf dem Funkhörer. Sofort erhalten wir die Einsatzmeldung und die Adresse, die wir nicht mal in das Navi eingeben müssen.

Es handelt sich um einen Herrn mittleren Alters, der in die Psychatrie eingewiesen werden soll. Warum das jetzt ein RTW machen muss ist ein wenig seltsam, aber was solls.

 

Ich bleibe hinten bei ihm, mein Kollege schaut ab und zu in den Rückspiegel, mit dem Daumen siganlisiere ich ihm „alles okay hier“.

Wir reden miteinander. Er erzählt mir von seinem anstrengenden Job, seiner demenzkranke Mutter und den kleinen Kinder, die nun bei seiner Schwester sind. Ihm wächst das alles über den Kopf, es ist ihm alles zu viel. Ich sage nicht viel, ich höre einfach zu und lasse ihn seine Ängste von der Seele reden.

Bald sind wir da, noch paar Kilometer. Leise kläre ich ihn über das nun folgende Procedere auf und dankbar nickt er.

Beim Verabschieden sage ich ihm: Es gibt einen, der nur einen Atemzug weit entfernt ist. Einen, der Ihnen immer zuhört.

Zweifelnd und gleichzeitig hoffnungsvoll sieht er mich an, ich nicke nochmals zur Bestätigung meiner Worte.

In diesem Moment zieht ein trauriger und doch froher Zug über sein Gesicht und leise sagt er mir: Vielen Dank.. ich habe es fast vergessen.

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