Homöopathie im Rettungsdienst

Die aufgeregte junge Frau sitzt bei mir hinten im Auto und erzählt mir, warum sie uns gerufen hat.

Am Tag vorher sei ihr schwindelig geworden und sie ist hingefallen. Daraufhin habe eine Freundin ihr sogenannte „Rescue-Tropfen“ (Notfalltropfen, s. Google) gegeben.

Während der Fahrt schaut sie sich im Auto um und sieht ein Medizinprodukt, auf dem ein Schriftzug angebracht ist.

„Ah, Sie haben auch das Rescue hier!“

Ich muss innerlich schmunzeln.

5 Gedanken zu “Homöopathie im Rettungsdienst

  1. Na hoffentlich stolpert diese Person NIE über einen Filmdoku von S&R-Militäroperationen… (S&R = Search & Rescue = „Suchen & Retten“. Z.B., wenn ein vermisster Pilot aus dem gegnerischen Hinterland „extrahiert“ werden soll.)

    BTW: Rescue-Tropfen wirken bei Erregungszuständen am besten, wenn man 7 Tropfen in 5 Finger breit Single-Malt-Whiskey gibt, und das Glas schluckweise innerhalb von 5min leert. Ist der Erregungszustand noch nicht beendet, wiederhole man die Gabe. *duck&cover*

    Auch immer wieder herrlich – die homöopathische Notaufnahme auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=Uvvp2lYz1J8 Eines der schönsten Details ist die Uhr zur Ermittlung des Todeszeitpunkts…

      • Ich muss da zwiegespalten sein, oder sogar trigespalten.
        1) Als naturwissenschaftlich ausgebildeter Mensch stehe ich auf Seiten des GWUP und vieler Studien, die feststellen, dass Homöopathie der gelebte Placebo-Effekt ist. Was mich immer wieder ärgert, ist der Verkauf von Homöopathie als „pflanzliche“, „besonders schonende“, „geiste“, „energetische“ oder was auch immer für eine „Therapie“. Insbesondere dann, wenn im Namen der Homöopathie eine wichtige und adäquate Behandlung einer akuten Erkrankung verzögert oder verhindert wird.
        2) Als Apotheker bin ich an Gesetzeswerke gebunden. Und da wurde (zur NS-Zeit, wenn mich nicht alles täuscht) das „Homöopathische Arzneibuch“ verbindlich eingeführt. Ich muss mich also daran halten. Sehr aufschlussreich ist es übrigens, sich mit der Geschichte der Homöopathie – insbesondere in der NS-Zeit – auseinanderzusetzen. Da lernt man einiges. Über Therapie, über Kosten im Gesundheitswesen, aber auch über die menschliche Psyche…
        3) Als Vollkaufmann sollte ich Produkte mögen, die bei geringen Kosten und geringem kaufmännischen Risiko einen möglichst hohen Gewinn generieren. Von daher müßte ich die Homöopathie lieben…

        Ganz Eehrlich? Wenn mich jemand fragt, versuche ich über die Hintergründe der Homöopathie aufzuklären (und so abzuraten). Wenn jemand unbedingt Glaubuli verlangt, und sich mir aus dem Kontext keine gefährliche Verwendung (z.B. einer behandlungsbedürftigen Erkrankung) ergibt, verkauf ichs… Nach 13 Jahren Kosteneinsparung im Gesundheitswesen bei Apothekenmargen bin ich (leider) auf Umsatz und Gewinn aus dem OTC-Bereich angewiesen. So leid es mir tut.

        Und wenn „Fachärzte für Homöopathie“ (also tatsächlich mit Approbation und so) Glaubuli aufs Privatrezept schreibt, soll ich dann dagegen reden und eventuell gar den Arzt bloß stellen? Soll ich eine (ärztliche!) Therapie torpedieren und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient – und somit auch das Therapieziel – nachhaltig stören? Ich würde wohl nicht lange Apotheker bleiben, wenn ich so agiere…

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